Stickstoff

Kann man sich an Stickstoffnarkose gewöhnen?

09.08.2026 Jonas Martins 23 Min. Lesezeit
Kann man sich an Stickstoffnarkose gewöhnen?

Viele erfahrene Taucher kennen diese Aussage:

„Wenn du regelmäßig tief tauchst, gewöhnst du dich an die Narkose.“

Und subjektiv kann sich genau das tatsächlich so anfühlen.

Der erste tiefe Lufttauchgang wirkt ungewohnt.

Die Umgebung fühlt sich anders an.

Das Denken vielleicht etwas langsamer.

Die Aufmerksamkeit verändert.

Nach mehreren ähnlichen Tauchgängen scheint vieles plötzlich normaler.

Der Taucher fühlt sich wohler.

Abläufe funktionieren besser.

Das Gefühl des „Tiefenrauschs“ wird schwächer.

Also hat sich der Körper an Stickstoffnarkose gewöhnt?

Nicht unbedingt.

Denn hier werden mehrere völlig unterschiedliche Prozesse miteinander vermischt:

01

Gewöhnung

Das subjektive Gefühl der Narkose wird vertrauter.

02

Lernen

Eine wiederholt ausgeführte Aufgabe wird leichter und schneller.

03

Kompensation

Erfahrung und standardisierte Verfahren helfen, mit einer Beeinträchtigung besser umzugehen.

04

Physiologische Toleranz

Die eigentliche neurobiologische Wirkung derselben Stickstoffexposition wäre geringer.

Das sind nicht dieselben Dinge.

Und genau die Experimente, die diese Ebenen voneinander getrennt haben, liefern ein überraschendes Ergebnis:

Ein Taucher kann sich weniger narkotisiert fühlen, ohne objektiv weniger narkotisiert zu sein.

Kurz erklärt

Es gibt Hinweise darauf, dass sich die subjektive Wahrnehmung von Narkose bei wiederholter Exposition verändert.

Taucher können sich nach mehreren tiefen Expositionen:

  • wohler
  • weniger berauscht
  • sicherer
  • weniger ungewöhnlich

fühlen.

Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass sich gleichzeitig Reaktionszeit, Informationsverarbeitung oder andere objektive Leistungsparameter verbessern.

Das zentrale Experiment

In einer Untersuchung wurden elf sehr erfahrene Taucher an fünf aufeinanderfolgenden Tagen jeweils auf einen Druck entsprechend etwa 54,6 Metern Meerwasser komprimiert.

Die subjektive Wahrnehmung der Narkose nahm bereits ab dem dritten Tag deutlich ab.

Die objektiv gemessene Reaktionsleistung zeigte dagegen keine entsprechende Adaptation.

Man kann sich an das Gefühl der Narkose gewöhnen, ohne nachweislich tolerant gegenüber ihrer Leistungsbeeinträchtigung zu werden.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Wiederholte tiefe Expositionen können dazu führen, dass sich Stickstoffnarkose subjektiv weniger stark anfühlt.
  • Das ist nicht dasselbe wie eine echte physiologische Toleranz.
  • In einer Studie mit sehr erfahrenen Tauchern nahm das subjektive Narkosegefühl über fünf Tage ab.
  • Die objektive Reaktionsleistung verbesserte sich jedoch nicht entsprechend.
  • Frühere Untersuchungen zeigten ebenfalls eine Trennung zwischen subjektiver Gewöhnung und objektiver Leistungsbeeinträchtigung.
  • Übung kann die Leistung einer bekannten Aufgabe verbessern.
  • Das darf nicht automatisch mit einer reduzierten Narkosewirkung verwechselt werden.
  • Erfahrung kann Abläufe automatisieren und dadurch kognitive Ressourcen sparen.
  • Ein erfahrener Taucher kann deshalb unter Narkose besser funktionieren als ein unerfahrener Taucher, ohne biologisch weniger narkotisiert zu sein.
  • Tierexperimente zeigen neurochemische Veränderungen nach wiederholter Stickstoffexposition.
  • Diese Veränderungen gingen jedoch nicht zwangsläufig mit einer Verbesserung des beobachteten Verhaltens einher.
  • Eine praktisch relevante physiologische Immunität gegen Stickstoffnarkose ist beim Menschen nicht nachgewiesen.
  • Erfahrung sollte deshalb keine Begründung dafür sein, bei der Gasplanung eine höhere narkotische Belastung zu akzeptieren.

Was bedeutet „Gewöhnung“ überhaupt?

Wenn ein Taucher sagt:

„Ich habe mich an 50 Meter gewöhnt.“

kann das mindestens vier unterschiedliche Dinge bedeuten.

1. Habituation

Ein wiederholt auftretendes Gefühl wirkt weniger ungewöhnlich.

Der Taucher kennt:

  • das veränderte Körpergefühl
  • die Wahrnehmung
  • die Geräusche
  • die Dunkelheit
  • die Tiefe
  • und mögliche subjektive Narkosesymptome

Dadurch erzeugen sie weniger Aufmerksamkeit.

2. Lernen

Eine Aufgabe wird durch Wiederholung besser.

Wer zehnmal dieselbe Rechenaufgabe macht, wird wahrscheinlich schneller.

Wer hundertmal dieselbe Stage abgibt, muss weniger darüber nachdenken.

Das ist Training – nicht zwingend Narkosetoleranz.

3. Kompensation

Der Taucher besitzt Strategien, mit einer Beeinträchtigung umzugehen.

  • Er arbeitet langsamer.
  • Er kontrolliert häufiger.
  • Er verwendet feste Verfahren.
  • Er reduziert seine Aufgabenlast.
  • Er vermeidet unnötige Entscheidungen.

Dadurch kann seine tatsächliche Tauchleistung besser sein.

4. Physiologische Toleranz

Das wäre etwas anderes.

Hier müsste bei gleichem Stickstoffpartialdruck die eigentliche neurobiologische Wirkung geringer werden.

Das Gehirn wäre tatsächlich weniger empfindlich gegenüber derselben narkotischen Exposition.

Und genau dafür ist die Evidenz wesentlich schwächer.

Warum die Unterscheidung so wichtig ist

Stellen wir uns zwei Taucher in 50 Metern Tiefe vor.

Beide atmen dasselbe Gas.

Beide besitzen denselben Stickstoffpartialdruck.

A

Wenig Erfahrung

Die Tiefe ist ungewohnt. Viele Abläufe benötigen bewusste Aufmerksamkeit.

B

Viel Erfahrung

Die Umgebung ist vertraut und viele Handlungen laufen weitgehend automatisiert ab.

Taucher B könnte:

  • ruhiger sein
  • weniger Stress haben
  • Instrumente schneller interpretieren
  • die Umgebung besser kennen
  • seine Ausrüstung automatisierter bedienen
  • weniger Aufmerksamkeit für Routinetätigkeiten benötigen

Damit kann Taucher B objektiv besser funktionieren.

Aber daraus folgt nicht:

Das Stickstoffmolekül besitzt bei Taucher B eine geringere narkotische Wirkung.

Der Unterschied kann vollständig durch Erfahrung und Aufgabenautomatisierung entstehen.

Der frühe Test: zwölf Tage wiederholte Druckexposition

1989 untersuchten W.H. Rogers und G. Moeller die Frage, ob wiederholte kurze hyperbare Expositionen die Empfindlichkeit gegenüber Stickstoffnarkose reduzieren.

Die Teilnehmer wurden wiederholt einem Druck von 5,5 ATA ausgesetzt – entsprechend ungefähr 45 Metern Meerwasser.

Das Ganze wurde an zwölf aufeinanderfolgenden Tagen wiederholt.

Gemessen wurde eine Aufgabe zur Standstabilität beziehungsweise zum Körperschwanken.

1

Erste Exposition

Unter erhöhtem Stickstoffpartialdruck verschlechterte sich die gemessene Standstabilität.

2

Wiederholung

Die Exposition wurde über zwölf aufeinanderfolgende Tage wiederholt.

3

Erwartung bei Toleranz

Eine echte Adaptation müsste den narkosebedingten Unterschied im Verlauf reduzieren.

4

Ergebnis

Die Beeinträchtigung blieb über die wiederholten Expositionen bestehen.

Die einfache Vorstellung „jeden Tag tief gehen und irgendwann verschwindet die Narkose“ wurde damit nicht bestätigt.

Aber Taucher berichten trotzdem von Gewöhnung

Und genau daraus entstand ein interessantes wissenschaftliches Problem.

Viele erfahrene Taucher berichteten:

„Nach ein paar tiefen Tauchgängen merke ich die Narkose viel weniger.“

Laborstudien fanden jedoch keine überzeugende Verbesserung der objektiven Leistung.

Wie kann beides gleichzeitig wahr sein?

Eine mögliche Antwort

Subjektive Narkose und objektive Leistungsbeeinträchtigung sind nicht dasselbe.

1992: Das Gefühl verändert sich – die Leistung nicht unbedingt

Hamilton, Laliberté und Heslegrave untersuchten über fünf aufeinanderfolgende Tage wiederholte narkotische Expositionen.

In diesem Versuch wurde nicht mit hyperbarem Stickstoff gearbeitet, sondern mit 30 Prozent Lachgas bei Normaldruck.

Lachgas besitzt eine bekannte narkotische Wirkung und wurde als experimentelles Modell verwendet.

Die Forscher untersuchten gleichzeitig:

SUBJEKTIV

Narkosegefühl

Wie stark empfanden die Versuchspersonen die narkotische Wirkung?

OBJEKTIV

Reaktionsleistung

Wie stark war die tatsächlich gemessene Leistungsbeeinträchtigung?

Einige subjektive Symptome zeigten über die Tage deutliche Zeichen einer Gewöhnung.

Die Reaktionszeit zeigte dagegen keine entsprechende Verbesserung gegenüber der Kontrollbedingung.

Der Mensch kann sich subjektiv an einen leistungsbeeinträchtigenden Zustand gewöhnen, obwohl die objektive Beeinträchtigung bestehen bleibt.

1995 wurde die entscheidende Frage direkt mit Tauchern getestet

Hamilton, Laliberté und Fowler gingen anschließend einen Schritt weiter.

Diesmal wurden elf sehr erfahrene Taucher untersucht.

Sie wurden an fünf aufeinanderfolgenden Tagen jeweils in einer Druckkammer auf einen Druck entsprechend 54,6 Metern Meerwasser komprimiert.

Die Taucher atmeten hyperbare Luft.

Damit lag tatsächlich eine starke Stickstoffexposition vor.

OBJEKTIV

Choice Reaction Time

Die Taucher mussten Informationen verarbeiten und entsprechend reagieren.

SUBJEKTIV

Narkoseeinschätzung

Die Taucher bewerteten, wie stark sie sich narkotisiert und in ihrer Arbeitsfähigkeit verändert fühlten.

Und dann trennten sich Gefühl und Leistung

Das Ergebnis gehört zu den wichtigsten Befunden der Diskussion über Narkosegewöhnung.

Bei der objektiven Reaktionsaufgabe zeigte sich:

keine nachweisbare Adaptation der narkosebedingten Beeinträchtigung.

Die Teilnehmer lernten die Aufgabe über die Zeit besser.

Aber der Narkoseeffekt selbst verschwand nicht.

Ganz anders sah es bei der subjektiven Einschätzung aus.

Bereits ungefähr ab Tag drei

fühlten sich die Taucher deutlich weniger narkotisiert.

GEFÜHL

„Es wird besser.“

Die subjektive Wahrnehmung der Narkose nahm ab.

LEISTUNG

Der Effekt blieb

Die objektive narkosebedingte Leistungsbeeinträchtigung zeigte keine entsprechende Adaptation.

Das Gefühl sagte: Es wird besser. Die Leistungsprüfung sagte: Die narkotische Beeinträchtigung ist weiterhin da.

Das ist der Unterschied zwischen Lernen und Adaptation

Nehmen wir ein vereinfachtes Beispiel.

Tag 1 – Oberfläche

700 ms

Tag 1 – Tiefe

800 ms

Tag 5 – Oberfläche

600 ms

Tag 5 – Tiefe

700 ms

Der Taucher ist absolut betrachtet schneller geworden.

Man könnte daraus schließen:

„Er hat sich an die Narkose gewöhnt.“

Aber der narkosebedingte Unterschied beträgt weiterhin:

100 Millisekunden.

Die Verbesserung stammt dann aus Lernen.

Nicht aus einer verminderten Wirkung der Narkose.

Genau deshalb müssen Adaptationsstudien Übungseffekte und eigentliche Narkoseeffekte voneinander trennen.

Und genau das passiert beim Tauchen ständig

Ein neuer technischer Taucher benötigt für einen Gaswechsel möglicherweise viel bewusste Aufmerksamkeit.

1

Gas identifizieren

Welche Stage wird verwendet?

2

MOD prüfen

Ist das Gas in der aktuellen Tiefe tatsächlich atembar?

3

Ventil öffnen

Die Stage wird korrekt aktiviert.

4

Regler wechseln

Das neue Gas wird geatmet.

5

Computer bestätigen

Das richtige Gas wird im Computer aktiviert.

6

Team kontrollieren

Die Situation wird gegenseitig überprüft.

Nach vielen Wiederholungen läuft derselbe Vorgang weitgehend automatisiert.

Der Taucher kann dieselbe Handlung auch unter erhöhter kognitiver Belastung besser durchführen.

Aber:

Das beweist keine physiologische Gewöhnung an Stickstoff.

Es zeigt zunächst, dass der Taucher besser trainiert ist.

Warum sich das trotzdem wie echte Toleranz anfühlt

Unser subjektives Urteil bewertet nicht direkt neuronale Signalverarbeitung.

Wir erleben eher:

  • Schwierigkeit
  • Anstrengung
  • Unsicherheit
  • ungewöhnliche Körpergefühle
  • Angst
  • Verwirrung
  • Geschwindigkeit einer Aufgabe

Wenn eine Umgebung bekannt wird und eine Aufgabe automatisierter abläuft, sinkt diese subjektive Belastung.

Das kann sich anfühlen wie:

„Die Narkose ist weg.“

Obwohl sich der Stickstoffpartialdruck überhaupt nicht verändert hat.

Und obwohl objektive kognitive Effekte weiterhin vorhanden sein können.

Ein sehr erfahrener Taucher kann trotzdem besser funktionieren

Hier sollten wir nicht in das andere Extrem fallen.

Aus den Studien folgt nicht:

„Erfahrung bringt bei Narkose nichts.“

Das wäre ebenso falsch.

Erfahrung bringt sehr viel.

Problemerkennung

Bekannte Abweichungen können früher erkannt werden.

Automatisierung

Routinehandlungen benötigen weniger bewusste Aufmerksamkeit.

Priorisierung

Wichtige Informationen können schneller von unwichtigen getrennt werden.

Geschwindigkeit

Der Taucher kann bewusst langsamer und kontrollierter arbeiten.

Standardisierung

Trainierte Verfahren reduzieren spontane Entscheidungen.

Stress

Vertrautheit kann unnötige psychische Belastung reduzieren.

Besser mit Narkose funktionieren ist nicht dasselbe wie weniger narkotisiert sein.

Ein einfaches Beispiel: Autofahren im Regen

Stell dir zwei Fahrer bei starkem Regen vor.

Der unerfahrene Fahrer ist überfordert.

Der erfahrene Fahrer bleibt ruhig und fährt kontrolliert.

Der Regen beeinträchtigt bei beiden:

  • Sicht
  • Haftung
  • Bremsweg

Der erfahrene Fahrer kann diese Einschränkungen besser berücksichtigen.

Seine Reifen haben aber nicht plötzlich mehr Grip, weil er Erfahrung besitzt.

Ähnlich kann Erfahrung beim Tauchen wirken.

Sie verbessert den Umgang mit einer Einschränkung.

Sie beseitigt die Einschränkung nicht zwingend.

Was zeigt Erfahrung in modernen Studien?

Auch neuere Untersuchungen liefern keinen einfachen Beleg dafür, dass eine hohe Zahl absolvierter Tauchgänge automatisch vor kognitiver Narkose schützt.

In der 2023 veröffentlichten Studie von Ahti und Wikgren schnitten Taucher bei 30 Metern in einer komplexen Entscheidungsaufgabe schlechter ab als die Vergleichsgruppe in fünf Metern.

Innerhalb dieser kleinen Stichprobe zeigte die Zahl der bisherigen Tauchgänge keinen Zusammenhang mit dem Ergebnis des Iowa Gambling Task.

Was daraus folgt

Das beweist nicht, dass Erfahrung bedeutungslos ist.

Es zeigt aber, dass viele Tauchgänge allein keine Immunität gegenüber narkosebedingter Beeinträchtigung garantieren.

Vielleicht passt sich das Gehirn trotzdem biologisch an?

Diese Frage ist berechtigt.

Denn fehlende Verbesserung in einem Verhaltenstest beweist nicht automatisch, dass im Nervensystem überhaupt keine Anpassung stattfindet.

Und tatsächlich gibt es experimentelle Hinweise auf neurobiologische Veränderungen nach wiederholter Stickstoffexposition.

Besonders interessant sind Untersuchungen an Ratten.

Wiederholte Stickstoffexposition verändert Dopamin

Lavoute, Weiss und Rostain untersuchten 2005 die Dopaminfreisetzung im Striatum von Ratten.

Bei einer ersten sehr hohen Stickstoffexposition von 3 MPa sank die Dopaminkonzentration im Striatum.

Danach erhielten die Tiere fünf Tage lang jeweils eine Stickstoff-Sauerstoff-Exposition bei 1 MPa.

Bei einer erneuten Exposition auf 3 MPa verhielt sich das Dopaminsystem anders.

ERSTE EXPOSITION

Dopamin sinkt

Bei der ersten hohen Stickstoffexposition nahm die gemessene Dopaminfreisetzung ab.

NACH WIEDERHOLUNG

Dopamin steigt

Nach mehreren vorherigen Expositionen zeigte sich bei erneuter hoher Belastung eine veränderte neurochemische Reaktion.

Wiederholte Stickstoffexposition kann also neurochemische Anpassungen erzeugen.

Das klingt zunächst nach physiologischer Toleranz.

Aber dann kommt der entscheidende Teil.

Die motorische Beeinträchtigung verschwand trotzdem nicht

Obwohl sich die Dopaminreaktion deutlich verändert hatte, verbesserten sich die gemessenen motorischen Störungen nicht entsprechend.

Die motorische Aktivität blieb im Vergleich zur ersten starken Exposition im Wesentlichen unverändert.

Neurochemische Adaptation ≠ funktionelle Toleranz

Das Nervensystem kann seine biologische Reaktion auf wiederholten Stickstoff verändern, ohne dass der Organismus dadurch automatisch weniger beeinträchtigt ist.

Auch der vermutete Mechanismus erwies sich als kompliziert

Weitere Experimente untersuchten, ob Veränderungen an NMDA-Rezeptoren diese Anpassung erklären könnten.

Nach wiederholten Stickstoffexpositionen zeigte sich erneut eine veränderte Dopaminreaktion.

Die Ergebnisse unterstützten jedoch weder eine einfache antagonistische Stickstoffwirkung am NMDA-Rezeptor noch eine simple Desensibilisierung dieser Rezeptoren als vollständige Erklärung.

Stickstoffnarkose besitzt wahrscheinlich keinen einzelnen einfachen neurobiologischen Schalter.

Drei Dinge können also gleichzeitig passieren

1

Das Gefühl verändert sich

Die Umgebung und das narkotische Empfinden erscheinen weniger ungewöhnlich.

Subjektive Gewöhnung.

2

Die Leistung bei bekannten Aufgaben verbessert sich

Abläufe werden gelernt und automatisiert.

Training und Kompensation.

3

Das Nervensystem reagiert biologisch

Tierexperimentell lassen sich neurochemische Veränderungen nach wiederholter Exposition nachweisen.

Biologische Adaptation.

Aber daraus folgt noch kein vierter Punkt:

Der Taucher ist objektiv gegen Stickstoffnarkose tolerant.

Für eine praktisch relevante physiologische Toleranz des Menschen fehlt bislang ein überzeugender Nachweis.

Warum „Ich merke bei 50 Metern nichts“ problematisch ist

Diese Aussage kann verschiedene Bedeutungen haben.

  • Vielleicht verspürt der Taucher tatsächlich keine deutliche Euphorie.
  • Vielleicht kennt er sein typisches Narkosegefühl sehr gut.
  • Vielleicht ist der Tauchgang ruhig.
  • Vielleicht hat er wenig CO₂ aufgebaut.
  • Vielleicht sind seine Aufgaben stark automatisiert.
  • Vielleicht ist seine individuelle Empfindlichkeit geringer.

All das ist möglich.

Aber daraus kann man nicht schließen:

„Mein Gehirn verarbeitet Informationen bei diesem Stickstoffpartialdruck genauso wie an der Oberfläche.“

Genau diese Schlussfolgerung wird durch die Adaptationsstudien nicht unterstützt.

Das subjektive Gefühl kann sogar problematisch werden

Normalerweise betrachten wir Gewöhnung als etwas Positives.

Beim Lernen eines Tauchplatzes.

Bei der Bedienung neuer Ausrüstung.

Beim Stressmanagement.

Bei Narkose kann subjektive Gewöhnung aber eine interessante Nebenwirkung haben.

Der Taucher fühlt sich:

  • entspannter
  • normaler
  • weniger beeinträchtigt

Dadurch steigt möglicherweise das Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit.

Wenn die tatsächliche kognitive Beeinträchtigung gleichzeitig bestehen bleibt, entsteht eine problematische Kombination:

weniger Warngefühl bei möglicherweise weiterhin bestehender Leistungseinbuße.

Kann man lernen, Narkose zu erkennen?

Ja – zumindest teilweise.

Das ist etwas anderes als Toleranz.

Taucher können individuelle Zeichen kennenlernen.

Wahrnehmung

Veränderte Geräusch- oder Raumwahrnehmung.

Stimmung

Leichte Euphorie oder ungewöhnliche Ruhe.

Konzentration

Schwierigkeiten, mehrere Informationen gleichzeitig zu verarbeiten.

Fixierung

Ungewöhnlich starke Konzentration auf eine einzelne Aufgabe.

Rechnen

Einfache Kopfrechenaufgaben fühlen sich plötzlich schwieriger an.

Zeitgefühl

Die Wahrnehmung von Dauer kann sich verändern.

Das kann helfen.

Aber die Fähigkeit, ein Narkosesymptom zu erkennen, beweist nicht, dass alle relevanten kognitiven Einschränkungen korrekt eingeschätzt werden.

Und kann man lernen, unter Narkose besser zu arbeiten?

Ja.

Das ist wahrscheinlich einer der wichtigsten praktischen Punkte.

Training kann

  • Bewegungsabläufe automatisieren
  • Checklisten etablieren
  • Entscheidungsoptionen begrenzen
  • Notfallreaktionen standardisieren
  • Kommunikation vereinfachen
  • Stress reduzieren

Dadurch benötigt dieselbe Aufgabe weniger aktive Informationsverarbeitung.

Training erhöht damit die nutzbare kognitive Reserve – auch wenn die narkotische Exposition selbst unverändert bleibt.

Aber Training hat eine Grenze

Das funktioniert besonders gut, solange die reale Situation innerhalb dessen liegt, was trainiert wurde.

Problematisch wird es bei einer Situation, für die kein fertiges Skript existiert.

Dann muss der Taucher wieder:

  • neue Informationen bewerten
  • Hypothesen bilden
  • Prioritäten setzen
  • Alternativen vergleichen
  • eine neue Entscheidung treffen

Und genau hier werden höhere kognitive Funktionen wieder entscheidend.

Routine ist nicht Problemlösung

Ein erfahrener Taucher kann unter Narkose hervorragend standardisierte Verfahren durchführen und trotzdem bei einer völlig neuen Situation kognitiv beeinträchtigt sein.

Training sollte deshalb nicht Narkose trainieren

Das klingt zunächst paradox.

Aber der Unterschied ist wichtig.

NICHT

Narkose trainieren

„Wir tauchen immer tiefer mit Luft, bis du dich daran gewöhnt hast.“

SONDERN

Fähigkeiten trainieren

„Wir trainieren die notwendigen Fähigkeiten so gut, dass sie auch unter Belastung zuverlässig verfügbar bleiben.“

Der Unterschied ist fundamental.

Im ersten Fall wird die belastende physiologische Variable erhöht.

Im zweiten Fall wird die kognitive Belastung der Aufgabe reduziert.

Warum das für technisches Tauchen besonders relevant ist

Bei einem tiefen technischen Tauchgang konkurrieren viele Anforderungen gleichzeitig um die Aufmerksamkeit.

Navigation

Route, Leine, Abzweigungen und Ausgang müssen verfolgt werden.

Team

Kommunikation und Position müssen kontinuierlich überwacht werden.

Gas

Gasmanagement und Reserven müssen beurteilt werden.

CCR

Bei Rebreathern kommen PO₂, Loop und Gerätestatus hinzu.

Dekompression

Tiefe, Zeit, Gaswechsel und Ceiling müssen berücksichtigt werden.

Umgebung

Sicht, Strömung, Restriktionen und andere Belastungen verändern die Situation.

Je mehr davon automatisiert ist, desto besser.

Aber wenn gleichzeitig ein hoher narkotischer Gaspartialdruck akzeptiert wird, reduziert man möglicherweise genau die Reserve, die für einen unerwarteten Fehler benötigt wird.

Training kann kognitive Reserve schaffen. Es sollte nicht als Begründung dienen, mehr Narkose zu akzeptieren.

„Ich bin ein anderer Typ als die Versuchspersonen“

Auch dieser Einwand ist verständlich.

Menschen unterscheiden sich tatsächlich.

Narkose zeigt erhebliche individuelle Variabilität.

Aber aus individueller Variabilität folgt nicht, dass eine Person gegen Stickstoff immun ist.

Auch die gleiche Person kann sich zwischen verschiedenen Tauchgängen unterschiedlich erleben.

Individuelle Erfahrung ist wertvoll

Sie ist jedoch ungeeignet, um daraus eine allgemeine biologische Sicherheitsgrenze oder eine persönliche Immunität gegen Stickstoffnarkose abzuleiten.

Was ist mit professionellen und sehr erfahrenen Tauchern?

Gerade Berufstaucher oder sehr erfahrene technische Taucher berichten häufig von hoher Funktionsfähigkeit in Bereichen, die bei weniger erfahrenen Tauchern problematisch wären.

Das ist plausibel.

Ihre Arbeit ist:

  • stärker automatisiert
  • routinierter
  • vorhersehbarer
  • standardisierter

Das Nervensystem muss für dieselbe Tätigkeit weniger neue Probleme lösen.

Das ist ein gewaltiger Vorteil.

Hohe Kompetenz ist aber kein Nachweis einer veränderten Neurophysiologie von Stickstoff.

Kann die gleiche Tiefe an verschiedenen Tagen unterschiedlich wirken?

Ja.

Und das allein zeigt schon, warum die Vorstellung einer stabil erworbenen Toleranz schwierig ist.

Das subjektive Narkoseerleben kann durch den Kontext verändert werden.

Gleichzeitig können weitere physiologische Belastungen die tatsächliche Leistungsfähigkeit beeinflussen.

Ein zentraler Kandidat ist:

CO₂.

Hohe Atemarbeit, körperliche Belastung und CO₂-Retention können mit hyperbarem Stickstoff besonders ungünstig interagieren.

Der nächste Schritt der Serie

Eine experimentelle Untersuchung von Freiberger und Kollegen zeigte unter kombinierten Bedingungen aus erhöhtem Stickstoff, CO₂ und körperlicher Belastung eine ausgesprochen starke Narkose bis hin zu schwerer Beeinträchtigung und Amnesie.

Genau diese Wechselwirkung behandeln wir im nächsten Artikel: Stickstoff, CO₂ und körperliche Belastung.

Gewöhnung ist nicht dasselbe wie Sicherheit

Das ist wahrscheinlich die wichtigste praktische Konsequenz.

Stell dir einen Taucher vor, der zunächst bei 50 Metern deutlich wahrnimmt:

„Das fühlt sich narkotisch an.“

Nach mehreren Tauchgängen sagt er:

„Jetzt fühlt es sich normal an.“

Es gibt zwei mögliche Interpretationen.

A

Echte Toleranz

Sein Gehirn ist tatsächlich weniger beeinträchtigt.

B

Gewöhnung + Training

Die Beeinträchtigung besteht ähnlich weiter, aber das Gefühl ist vertrauter und bekannte Aufgaben sind stärker automatisiert.

Die Humanstudien von Hamilton und Kollegen sprechen dafür, dass zumindest ein erheblicher Teil der beobachteten „Gewöhnung“ durch die zweite Erklärung verstanden werden kann.

Was sollte ein Taucher daraus praktisch ableiten?

Nicht:

„Tiefe ist gefährlich und Erfahrung spielt keine Rolle.“

Sondern:

Erfahrung ist enorm wichtig – aber sie verändert nicht automatisch die physikalische Exposition.

Wenn zwei Taucher dasselbe Atemgas in derselben Tiefe atmen, bleibt der Stickstoffpartialdruck identisch.

Der erfahrenere Taucher kann mit dieser Belastung wahrscheinlich besser umgehen.

Aber die Gasplanung sollte nicht davon ausgehen, dass sich seine Neurophysiologie durch Training zuverlässig gegen Stickstoffnarkose immunisiert hat.

Die direktere Strategie

Wenn ein Tauchgang eine hohe kognitive Leistungsfähigkeit benötigt, gibt es eine wesentlich direktere Möglichkeit, die narkotische Stickstoffbelastung zu reduzieren:

den Stickstoffpartialdruck reduzieren.

Das kann bedeuten:

01

Geringere Tiefe

Weniger Umgebungsdruck bedeutet einen geringeren Stickstoffpartialdruck.

02

Helium einsetzen

Ein Teil des Stickstoffs wird durch ein deutlich weniger narkotisches Inertgas ersetzt.

Der grundlegende Unterschied

Mit Narkose umgehen verändert vor allem die Fähigkeit des Tauchers, unter der Belastung zu funktionieren.

Narkose reduzieren verändert die Gasexposition selbst.

Häufige Irrtümer

„Wer oft tief taucht, wird immun gegen Stickstoffnarkose.“

Nicht belegt. Wiederholte Exposition kann subjektive Gewöhnung erzeugen. Kontrollierte Humanstudien fanden jedoch keine entsprechende Anpassung der objektiv gemessenen Reaktionsleistung.

„Wenn sich die Narkose schwächer anfühlt, ist sie auch objektiv schwächer.“

Nein. Gerade die Experimente von Hamilton und Kollegen zeigen, dass subjektive Narkosewahrnehmung und objektive Leistungsbeeinträchtigung auseinanderlaufen können.

„Training bringt gegen Narkose nichts.“

Falsch. Training kann Abläufe automatisieren, Stress reduzieren und die kognitive Belastung einer Aufgabe senken. Das kann die operationelle Leistung erheblich verbessern.

„Wenn ich dieselbe Aufgabe in Tiefe immer besser kann, habe ich mich an Stickstoff gewöhnt.“

Nicht unbedingt. Du könntest schlicht die Aufgabe gelernt haben. Übungseffekt und tatsächliche Veränderung des Narkoseeffekts sind unterschiedliche Dinge.

„Sehr erfahrene Taucher sind automatisch weniger narkotisiert.“

Nicht nachgewiesen. Sie können unter Narkose möglicherweise besser funktionieren. Das ist nicht dasselbe wie eine geringere neurophysiologische Wirkung.

„Es gibt überhaupt keine biologische Anpassung an wiederholte Stickstoffexposition.“

Auch zu pauschal. Tierexperimentelle Studien zeigen neurochemische Veränderungen. Diese gingen jedoch nicht automatisch mit einer funktionellen Verbesserung einher.

Häufig gestellte Fragen

Kann man sich an Stickstoffnarkose gewöhnen?

Subjektiv offenbar ja. Wiederholte Exposition kann dazu führen, dass sich die Narkose weniger stark anfühlt. Eine entsprechende zuverlässige Anpassung der objektiven kognitiven Leistungsfähigkeit konnte beim Menschen jedoch nicht überzeugend gezeigt werden.

Warum fühlt sich Narkose nach mehreren tiefen Tauchgängen schwächer an?

Mögliche Gründe sind Habituation an das Gefühl, geringerer Stress, bessere Kenntnis der Umgebung sowie stärker automatisierte Abläufe.

Ist das echte Toleranz?

Nicht zwingend. Eine echte Toleranz würde bedeuten, dass dieselbe Stickstoffexposition eine geringere neurophysiologische oder funktionelle Wirkung erzeugt. Dafür gibt es beim Menschen keinen überzeugenden Nachweis.

Können erfahrene Taucher trotzdem besser mit Narkose umgehen?

Ja. Erfahrung, Training und Automatisierung können die verfügbare kognitive Reserve verbessern und dadurch die operationelle Leistung steigern.

Hat man physiologische Anpassungen gefunden?

Bei Tieren wurden nach wiederholter Stickstoffexposition Veränderungen dopaminerger Reaktionen festgestellt. Diese führten jedoch nicht automatisch zu einer entsprechenden Verbesserung des gemessenen motorischen Verhaltens.

Kann tägliches Tieftauchen eine Toleranz aufbauen?

Eine frühe Studie mit zwölf wiederholten hyperbaren Expositionen fand keine progressive Aufhebung der narkosebedingt verschlechterten Standstabilität.

Kann ich meine persönliche Erfahrung zur Gasplanung verwenden?

Erfahrung ist wertvoll für Training und Selbsteinschätzung. Sie ist jedoch keine belastbare Grundlage dafür, einen höheren Stickstoffpartialdruck als physiologisch weniger narkotisch anzunehmen.

Ist Helium die bessere Lösung?

Wenn eine niedrigere narkotische Stickstoffbelastung das Ziel ist, reduziert das Ersetzen eines Teils des Stickstoffs durch Helium tatsächlich den Stickstoffpartialdruck. Damit wird die Gasexposition selbst verändert.

Ist Gewöhnung an das Narkosegefühl gefährlich?

Sie kann problematisch sein, wenn ein schwächeres subjektives Warngefühl mit der Annahme verwechselt wird, die objektive kognitive Beeinträchtigung sei ebenfalls verschwunden.

Wissenschaftlich eingeordnet

Gut belegt

Wiederholte narkotische Exposition kann die subjektive Wahrnehmung eines narkotischen Zustands verändern.

Direkt am Menschen gezeigt

Bei elf sehr erfahrenen Tauchern nahm die subjektiv wahrgenommene Narkose über fünf tägliche tiefe Expositionen ab.

Gleichzeitig gezeigt

Die objektiv gemessene Reaktionsleistung zeigte in derselben Untersuchung keine entsprechende Adaptation des Narkoseeffekts.

Frühere Evidenz

Auch zwölf aufeinanderfolgende kurze hyperbare Expositionen führten nicht zu einer erkennbaren Aufhebung der untersuchten narkosebedingten Beeinträchtigung.

Biologisch interessant

Tierexperimente zeigen, dass wiederholte Stickstoffexposition die neurochemische Reaktion des Dopaminsystems verändern kann.

Nicht bewiesen

Eine stabile, praktisch relevante physiologische Immunität des menschlichen Gehirns gegen Stickstoffnarkose durch häufiges Tieftauchen ist nicht nachgewiesen.

Fazit

Kann man sich an Stickstoffnarkose gewöhnen?

Ja und nein.

Der scheinbare Widerspruch verschwindet, sobald wir genauer definieren, was „Gewöhnung“ bedeutet.

Ein Taucher kann sich an das Gefühl gewöhnen.

Er kann sich an die Umgebung gewöhnen.

Er kann seine Ausrüstung besser beherrschen.

Er kann seine Abläufe automatisieren.

Er kann lernen, unter kognitiver Belastung kontrollierter zu arbeiten.

All das ist

  • real
  • wertvoll
  • trainierbar
  • für anspruchsvolle Tauchgänge entscheidend

Und all das kann dazu führen, dass ein erfahrener Taucher in derselben Tiefe wesentlich kompetenter handelt als ein unerfahrener Taucher.

Aber daraus folgt nicht automatisch:

Sein Gehirn ist gegenüber demselben Stickstoffpartialdruck physiologisch tolerant geworden.

Genau hier liefern die Studien von Hamilton und Kollegen eine wichtige Erkenntnis.

Nach wiederholten tiefen Expositionen fühlten sich die Taucher weniger narkotisiert.

Die objektive Leistungsbeeinträchtigung verschwand jedoch nicht entsprechend.

Das mögliche Problem

Das subjektive Warnsignal kann schwächer werden, während die zugrunde liegende narkotische Belastung weiterhin besteht.

Training sollte deshalb nicht darauf abzielen, einen immer höheren Stickstoffpartialdruck „ertragen“ zu können.

Training sollte dafür sorgen, dass:

  • Abläufe automatisiert sind
  • Entscheidungen vorbereitet werden
  • Teamverfahren funktionieren
  • kognitive Reserven erhalten bleiben

Und wenn die narkotische Belastung selbst zu hoch wird, gibt es eine wesentlich direktere Lösung:

Stickstoff reduzieren.

Kernaussage der Forschung

Wiederholte Narkoseexpositionen können eine subjektive Adaptation erzeugen: Menschen fühlen sich bei derselben Exposition nach mehreren Wiederholungen weniger beeinträchtigt.

Kontrollierte Humanexperimente zeigen jedoch, dass diese subjektive Gewöhnung nicht automatisch von einer entsprechenden Verbesserung der objektiven kognitiven Leistung begleitet wird.

Tierexperimentelle Forschung zeigt zwar neurochemische Anpassungen an wiederholte Stickstoffexposition, doch auch dort führt eine biologische Veränderung nicht zwingend zu einer funktionellen Verbesserung.

Der erfahrene Taucher kann lernen, besser mit Narkose zu funktionieren. Das ist jedoch nicht dasselbe wie nachgewiesene physiologische Toleranz gegen Stickstoffnarkose.

Quellen

Hamilton K, Laliberté MF, Fowler B.
Dissociation of the behavioral and subjective components of nitrogen narcosis and diver adaptation.
Undersea & Hyperbaric Medicine. 1995;22(1):41–49.
Elf erfahrene Taucher wurden an fünf aufeinanderfolgenden Tagen auf einen Druck entsprechend 54,6 Metern Meerwasser exponiert. Subjektive Adaptation trat auf, eine entsprechende Anpassung der Reaktionsleistung jedoch nicht.
PubMed öffnen

Hamilton K, Laliberté MF, Heslegrave R.
Subjective and Behavioral Effects Associated with Repeated Exposure to Narcosis.
Aviation, Space, and Environmental Medicine. 1992;63:865–869.
Die Untersuchung zeigte bei wiederholter narkotischer Exposition Veränderungen einzelner subjektiver Symptome ohne parallele Verbesserung der Reaktionsleistung.
Studie öffnen

Rogers WH, Moeller G.
Effect of brief, repeated hyperbaric exposures on susceptibility to nitrogen narcosis.
Undersea Biomedical Research. 1989;16(3):227–232.
Bei zwölf wiederholten Expositionen auf 5,5 ATA blieb die untersuchte Standstabilität unter hyperbaren Bedingungen beeinträchtigt.
Studie öffnen

Lavoute C, Weiss M, Rostain JC.
Effects of repeated hyperbaric nitrogen-oxygen exposures on the striatal dopamine release and on motor disturbances in rats.
Brain Research. 2005;1056(1):36–42.
Wiederholte Stickstoffexposition veränderte die dopaminerge Reaktion, ohne die motorischen Störungen entsprechend zu verbessern.
PubMed öffnen

Lavoute C, Weiss M, Rostain JC.
Effects of NMDA administration in the substantia nigra pars compacta on the striatal dopamine release before and after repetitive exposures to nitrogen narcosis in rats.
Undersea & Hyperbaric Medicine. 2006;33(3):175–179.
PubMed öffnen

Ahti PA, Wikgren J.
Rapture of the deep: gas narcosis may impair decision-making in scuba divers.
Diving and Hyperbaric Medicine. 2023;53(4):306–312.
In der untersuchten Stichprobe war die Zahl bisheriger Tauchgänge nicht mit der Leistung im Entscheidungs-Test verbunden.
PubMed öffnen

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Von der Wirkung des Stickstoffs im Gehirn über Narkose und Entscheidungsfähigkeit bis zu CO₂, Gewebesättigung, Dekompression und Nitrox: Diese Serie betrachtet Stickstoff beim Tauchen Schritt für Schritt aus physiologischer und tauchpraktischer Sicht.

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