Ein Mouthpiece Retaining Strap soll verhindern, dass ein bewusstloser Rebreathertaucher sein Mundstück unmittelbar verliert. Das Halteband verhindert weder Hypoxie noch Hyperkapnie oder Hyperoxie. Es kann jedoch den Wassereintritt begrenzen, die Atemwegsschnittstelle länger erhalten und dadurch das Zeitfenster für eine erfolgreiche Rettung vergrößern.
Kurz erklärt
Verliert ein Rebreathertaucher unter Wasser das Bewusstsein, lässt die aktive Spannung von Kiefer und Lippen nach. Ein herkömmliches Mundstück kann aus dem Mund fallen. Der Mouthpiece Retaining Strap – kurz MRS – hält das Mundstück mechanisch in Position und soll den unmittelbaren Übergang von einer Bewusstlosigkeit zu Wasseraspiration und Ertrinken verzögern.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Hypoxie, Hyperkapnie und Hyperoxie können beim Rebreathertauchen mit geringer oder fehlender Vorwarnung zur Bewusstlosigkeit führen.
- Nach dem Bewusstseinsverlust kann die aktive Haltekraft von Kiefer und Lippen ausfallen und das Mundstück verloren gehen.
- Ein Mouthpiece Retaining Strap soll das Mundstück auch ohne aktiven Biss am Gesicht halten.
- Eine zusätzliche Lippenmanschette kann den Mundschluss verbessern und den Wassereintritt begrenzen.
- Der Strap verhindert nicht die Ursache der Bewusstlosigkeit und garantiert keine wirksame Weiteratmung.
- Die verfügbare Evidenz beruht überwiegend auf physiologischer Plausibilität, militärischer Erfahrung und Beobachtungsdaten.
- In einer französischen militärischen Fallserie führten 54 dokumentierte Bewusstlosigkeiten unter Wasser nur in drei Fällen zum Ertrinken.
- Da die Taucher gleichzeitig ein Mundstück-Haltesystem und besonders enge Buddyverfahren verwendeten, lässt sich der Effekt des Straps nicht isoliert bestimmen.
- Die EN 14143 fordert funktionalen Schutz vor Wassereintritt bei Bewusstlosigkeit oder Krampfanfall, schreibt aber nicht ausschließlich einen bestimmten Kopfstrap als technische Lösung vor.
- Ein Mouthpiece Retaining Strap ersetzt weder ein funktionierendes Rebreather-System noch eine schnelle und trainierte Buddyrettung.
Warum dieses kleine Bauteil so wichtig sein kann
Beim Rebreathertauchen wird die Atemgaszusammensetzung nicht allein durch die Umgebung bestimmt.
Sauerstoffzufuhr, Kohlendioxidentfernung, Sensorik, Elektronik, Ventile, Atemkalk, Atemarbeit und das Verhalten des Tauchers müssen als gemeinsames lebenserhaltendes System funktionieren.
Fehler in diesem System können dazu führen, dass der Taucher ein ungeeignetes Atemgas einatmet.
Besonders relevant sind die sogenannten drei H-Gefahren:
Zu wenig Sauerstoff
Ein zu niedriger Sauerstoffpartialdruck kann zu Leistungsabfall, Bewusstlosigkeit und schließlich zum Tod führen.
Zu viel Kohlendioxid
CO₂-Retention kann Atemnot, Panik, kognitive Einschränkungen, Bewusstlosigkeit und weitere physiologische Belastungen verursachen.
Zu viel Sauerstoff
Ein hoher Sauerstoffpartialdruck kann eine zentralnervöse Sauerstofftoxizität bis hin zum Krampfanfall auslösen.
Alle drei Zustände können dazu führen, dass ein Taucher unter Wasser die Kontrolle verliert oder das Bewusstsein verliert.
In diesem Moment entsteht ein zweites Problem.
Nicht nur das Atemgas ist falsch. Auch die Verbindung zwischen Taucher und Atemgerät kann verloren gehen.
Die Ereigniskette von der Bewusstlosigkeit zum Ertrinken
Eine Bewusstlosigkeit muss nicht zwangsläufig sofort tödlich sein.
Besonders gefährlich wird sie unter Wasser, wenn das Mundstück verloren geht und kein wirksamer Atemwegsschutz vorhanden ist.
Ungeeignetes Atemgas oder anderer Auslöser
Hypoxie, Hyperkapnie, Hyperoxie oder ein anderer medizinischer oder technischer Zwischenfall beeinträchtigt den Taucher.
Verlust des Bewusstseins
Der Taucher reagiert nicht mehr und verliert die aktive Kontrolle über Körper, Atemgerät und Wasserlage.
Nachlassen von Kiefer- und Lippenmuskeltonus
Das Mundstück wird nicht mehr aktiv mit Zähnen, Kiefer und Lippen gehalten.
Verlust des Mundstücks
Das DSV oder BOV kann aus dem Mund fallen und die Atemwegsschnittstelle wird geöffnet.
Wasseraspiration
Wasser gelangt in Mund, Atemwege und möglicherweise in die Lunge.
Gasverlust und Flutung des Loops
Atemgas kann über das offene Mundstück entweichen und Wasser in den Atemkreislauf eindringen.
Auftriebsverlust und Ertrinken
Aus dem ursprünglichen Zwischenfall entwickelt sich eine unmittelbar lebensbedrohliche Ereigniskette.
Auslöser und Todesursache unterscheiden
Eine Hypoxie oder Hyperkapnie kann den Unfall auslösen. Die letztlich festgestellte Todesursache kann dennoch Ertrinken sein, nachdem der bewusstlose Taucher seinen Atemwegsschutz verloren hat.
Was Unfallanalysen zeigen
Paul Haynes veröffentlichte 2016 in Diving and Hyperbaric Medicine einen wissenschaftlichen Review über die Überlebenswahrscheinlichkeit nach einer Bewusstlosigkeit beim Rebreathertauchen.
Die Arbeit verweist unter anderem auf eine frühere DAN-Auswertung von 80 Rebreather-Todesfällen.
In 94 Prozent der dort untersuchten Fälle wurde Ertrinken als tatsächliche Todesursache festgestellt.
Originalarbeit von Paul Haynes
Increasing the probability of surviving loss of consciousness underwater when using a rebreather
Diese Zahl bedeutet nicht, dass der Rebreather in 94 Prozent der Fälle die ursprüngliche Unfallursache war.
Sie zeigt vielmehr, wie häufig der Verlust von Atemwegsschutz nach einem bereits eingetretenen Problem zum finalen tödlichen Ereignis wurde.
Der Mouthpiece Retaining Strap soll nicht den ersten Fehler verhindern. Er soll eine der unmittelbar tödlichen Folgen dieses Fehlers begrenzen.
Was ist ein Mouthpiece Retaining Strap?
Der Mouthpiece Retaining Strap wird häufig abgekürzt als:
- MRS,
- mouthpiece strap,
- mouthpiece retaining system,
- Mundstück-Halteband,
- Kopfband für das Rebreather-Mundstück.
Gemeint ist ein Haltesystem, das direkt mit dem Mundstück, DSV, BOV oder der zugehörigen Atemwegsschnittstelle verbunden ist.
Es verläuft über oder hinter dem Kopf und erzeugt eine kontrollierte Haltekraft in Richtung des Gesichts.
Typische Bestandteile
Verstellbares Kopfband
Es hält die Atemwegsschnittstelle mechanisch am Gesicht und muss an Kopf, Maske und Haube angepasst werden.
Befestigung am Mundstück
Die Verbindung muss konstruktiv zum verwendeten DSV oder BOV passen und darf dessen Bedienung nicht behindern.
Lippenmanschette
Eine weiche Auflage um das Mundstück kann die Lippen nach außen unterstützen und den Wassereintritt begrenzen.
Einstellbare Spannung
Das System muss fest genug sitzen, ohne dauerhaft Schmerzen, Kieferbelastung oder Fehlpositionen zu verursachen.
Kein loses Halsband
Ein Neck Strap, der das Mundstück bei einer Pause lediglich in Reichweite hält, ist nicht automatisch ein wirksamer Mouthpiece Retaining Strap. Ein MRS muss das Mundstück aktiv und definiert am Gesicht positionieren.
Wie soll der Strap den Atemweg schützen?
Ein normales Mundstück wird im Wesentlichen durch aktive Muskelarbeit gehalten.
- Die Zähne halten die Bisswarzen.
- Der Kiefer stabilisiert das Mundstück.
- Die Lippen bilden eine Abdichtung gegen das Wasser.
Nach dem Verlust des Bewusstseins können diese Funktionen teilweise oder vollständig ausfallen.
Der Strap ersetzt einen Teil dieser aktiven Haltekraft durch eine mechanische Kraft.
Das Mundstück bleibt am Gesicht
Das Kopfband reduziert die Wahrscheinlichkeit, dass DSV oder BOV vollständig aus dem Mund fallen.
Die Lippenmanschette unterstützt den Verschluss
Sie kann die Lippen gegen das Mundstück drücken und den Wassereintritt verlangsamen.
Der Loop bleibt möglicherweise länger geschlossen
Atemgasverlust und Flutung können begrenzt oder verzögert werden.
Das Rettungsfenster wird größer
Ein Buddy erhält möglicherweise zusätzliche Zeit, um den Taucher zu erkennen, zu sichern und an die Oberfläche zu bringen.
Der wesentliche Sicherheitsgewinn besteht nicht in einer garantierten Weiteratmung, sondern in der möglichen Verzögerung von Wasseraspiration und Ertrinken.
Was der Mouthpiece Retaining Strap nicht kann
Ein Halteband ist keine aktive Atemgasüberwachung und kein Ersatz für ein funktionierendes Rebreather-System.
Keine Hypoxie verhindern
Ist der Sauerstoffpartialdruck zu niedrig, verändert das Halteband die Zusammensetzung des Atemgases nicht.
Kein CO₂ entfernen
Bei Atemkalkdurchbruch, Kanalbildung oder Hypoventilation kann der Strap die Kohlendioxidbelastung nicht korrigieren.
Keine Hyperoxie beenden
Ein zu hoher Sauerstoffpartialdruck oder ein Sauerstoffkrampf wird durch das Halteband nicht verhindert.
Keine Atmung garantieren
Ein bewusstloser Taucher muss nicht automatisch wirksam weiteratmen, selbst wenn das Mundstück im Mund bleibt.
Keinen vollständigen Wasserschutz garantieren
Passform, Lippenstellung, Maske, Haube, Kopfposition und Bewegung können den Dichtsitz beeinflussen.
Keinen Buddy ersetzen
Der mögliche Schutz ist zeitlich begrenzt und erfordert eine schnelle Rettung.
Mitigation statt Prävention
Der MRS ist eine zusätzliche Schutzebene für den Fall, dass andere Sicherheitsbarrieren bereits versagt haben.
Was zeigen die militärischen Beobachtungsdaten?
Die stärksten im Haynes-Review beschriebenen Beobachtungsdaten stammen aus dem französischen Militärtauchen.
Untersucht wurden 153 Rebreather-Zwischenfälle aus dem Zeitraum von 1979 bis 2009.
Bei 54 dieser Ereignisse kam es unter Wasser zu einer Bewusstlosigkeit.
Nur drei dieser 54 Ereignisse endeten mit Ertrinken.
Untersuchte Zwischenfälle
Rebreather-Unfälle französischer Militärtaucher über einen Zeitraum von drei Jahrzehnten.
Bewusstlosigkeiten unter Wasser
Ereignisse, bei denen der Taucher während der Exposition das Bewusstsein verlor.
Ertrinkungsfälle
In drei Fällen führte die Bewusstlosigkeit zum Ertrinken.
Die verwendeten militärischen Sicherheitsverfahren umfassten zwei besonders relevante Elemente:
- ein Mundstück-Haltesystem mit Lippenmanschette,
- eine systematische Verbindung der Taucher in Paaren, damit der Buddy auch bei schlechter Sicht unmittelbar gefunden werden konnte.
Atemwegsschutz und schnelle Buddyrettung wirkten in dieser Fallserie gemeinsam.
Warum die Daten keinen eindeutigen Wirksamkeitsbeweis liefern
Die militärische Fallserie besitzt keine Kontrollgruppe aus vergleichbaren Tauchern ohne Mouthpiece Retaining Strap.
Außerdem wurden mehrere Sicherheitsmaßnahmen gleichzeitig angewendet.
Deshalb lässt sich nicht bestimmen:
- wie viele Taucher allein durch das Halteband überlebt haben,
- wie viele primär durch die besonders schnelle Buddyrettung gerettet wurden,
- welcher Anteil durch andere militärische Verfahren oder Ausrüstung beeinflusst wurde.
Wissenschaftliche Einordnung
Die Beobachtungsdaten sind mit einem Nutzen des MRS vereinbar und physiologisch plausibel. Sie beweisen jedoch nicht isoliert, wie groß der Effekt des Straps unter Sporttauchbedingungen ist.
Warum es kaum kontrollierte Studien geben kann
Eine klassische prospektive Wirksamkeitsstudie müsste vergleichbare Taucher unter Wasser bewusstlos werden lassen.
Eine Gruppe müsste einen funktionierenden Atemwegsschutz tragen, die andere nicht.
Anschließend müsste beobachtet werden, wie häufig Wasseraspiration, Weiteratmung und Ertrinken auftreten.
Ein solches Studiendesign wäre ethisch nicht vertretbar.
Die wissenschaftliche Bewertung muss sich deshalb auf mehrere indirekte Evidenzformen stützen:
Physiologische Plausibilität
Ein mechanisch gehaltenes Mundstück kann weniger leicht vollständig aus dem Mund fallen.
Unfallanalysen
Sie zeigen die zentrale Rolle von Bewusstlosigkeit, Atemwegsverlust und Ertrinken bei Rebreather-Todesfällen.
Militärische Erfahrung
Mouthpiece Retaining Straps werden dort seit Jahrzehnten in Kombination mit festgelegten Rettungsverfahren verwendet.
Normative Risikobewertung
Die europäische Rebreather-Norm berücksichtigt Wassereintritt bei Bewusstlosigkeit und Krampfanfall ausdrücklich.
Was die EN 14143 tatsächlich verlangt
Für autonome Regenerationstauchgeräte ist in Deutschland die DIN EN 14143:2013-10 relevant.
Die Norm wird von DIN weiterhin als aktuelle Ausgabe geführt.
Sie beschreibt Mindestanforderungen und Prüfverfahren für autonome Rebreather-Systeme und ihre Komponenten.
Aktuelle Norminformation
Nach der im Haynes-Review zitierten Anforderung soll das sogenannte Facepiece:
- während der normalen Nutzung den Wassereintritt minimieren,
- auch bei Bewusstlosigkeit oder einem Krampfanfall den Wassereintritt minimieren,
- sicher, fest und komfortabel am Gesicht gehalten werden,
- leicht angelegt und entfernt werden können,
- einstellbar oder selbstjustierend ausgeführt sein.
Die Norm schreibt nicht ausschließlich einen Kopfstrap vor
Die häufige Aussage, jeder neu ausgelieferte Rebreather müsse gesetzlich zwingend mit genau einem Mouthpiece Retaining Strap ausgestattet sein, ist zu pauschal.
Die Norm formuliert in erster Linie eine funktionale Schutzanforderung.
Diese kann abhängig von der zertifizierten Gerätekonfiguration unterschiedlich umgesetzt werden.
Mouthpiece Retaining Strap
Kopfband und Lippenmanschette halten ein klassisches Mundstück am Gesicht.
Vollgesichtsmaske
Das Atemgerät ist mit einer Maske verbunden, die den gesamten Mund- und Nasenbereich abdichtet.
Helm oder anderes Facepiece
Berufliche und militärische Systeme können den Atemweg durch andere zertifizierte Gesichtsteile schützen.
Verbindlich ist nicht zwingend ein bestimmtes Band, sondern die in der zertifizierten Konfiguration vorgesehene Schutzfunktion.
Warum immer mehr Rebreather mit einem Mouth Strap ausgeliefert werden
Mouthpiece Retaining Straps waren im militärischen Rebreathertauchen bereits lange verbreitet, während sie sich im Sport- und Techniktauchen deutlich langsamer durchsetzten.
Dafür gibt es mehrere mögliche Gründe:
- historisch andere Gerätedesigns,
- geringere Verbreitung von Atemwegsschutzsystemen im Sporttauchen,
- Komfortbedenken,
- fehlende Standardisierung zwischen DSV- und BOV-Systemen,
- begrenzte Bekanntheit militärischer Rettungsverfahren,
- unterschiedliche Zertifizierungsstände älterer und neuerer Geräte.
Mit stärkerer Beachtung der EN-14143-Anforderungen, neuen Gerätezertifizierungen und einer zunehmenden Diskussion über Rebreather-Unfälle werden Haltesysteme heute häufiger serienmäßig angeboten.
Gerätespezifisch prüfen
Entscheidend ist immer die zertifizierte und vom Hersteller freigegebene Konfiguration des konkreten Rebreathers. Die Ausstattung kann zwischen Geräten, Baujahren und Märkten variieren.
Mouthpiece Retaining Strap und BOV sind nicht dasselbe
Ein Bailout Valve und ein Mouthpiece Retaining Strap lösen unterschiedliche Probleme.
| Bauteil | Hauptfunktion | Erforderliche Handlung |
|---|---|---|
| BOV | Wechsel vom geschlossenen Kreislauf auf ein offenes Bailout-Gas, ohne das Mundstück herauszunehmen | Muss normalerweise vom handlungsfähigen Taucher oder Retter bedient werden |
| Mouthpiece Retaining Strap | Mechanisches Halten des Mundstücks und Begrenzen von Wassereintritt nach Bewusstseinsverlust | Wirkt nach korrekter Einstellung passiv |
Das BOV stellt alternatives Atemgas bereit. Der MRS soll verhindern, dass die Atemwegsschnittstelle verloren geht.
Ein BOV ohne Haltesystem kann nach Bewusstlosigkeit ebenso aus dem Mund fallen.
Ein Haltesystem ohne geeignetes Atemgas kann dagegen ein Mundstück mit weiterhin ungeeignetem Loopgas in Position halten.
Beide Komponenten können sich ergänzen, ersetzen sich jedoch nicht.
MRS, Vollgesichtsmaske und Helm im Vergleich
| System | Möglicher Atemwegsschutz | Komplexität | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| Mundstück ohne Haltesystem | Gering nach Bewusstlosigkeit | Niedrig | Abhängig von aktivem Biss und Lippenschluss |
| MRS mit Lippenmanschette | Verbessert, aber nicht vollständig garantiert | Relativ gering | Passform und Einstellung sind entscheidend |
| Vollgesichtsmaske | Potentiell hoch | Höher | Erfordert spezielle Konfiguration und Rettungsausbildung |
| Berufstauchhelm | Sehr hoch bei intaktem System | Sehr hoch | Für spezielle berufliche oder militärische Systeme |
Der MRS stellt damit keine maximale, sondern eine vergleichsweise einfache zusätzliche Stufe innerhalb eines Spektrums des Atemwegsschutzes dar.
Warum der Buddy weiterhin entscheidend bleibt
Selbst ein optimal entwickelter und korrekt eingestellter Strap kann den Atemweg wahrscheinlich nicht unbegrenzt schützen.
Mögliche Probleme bleiben:
- fortbestehendes ungeeignetes Atemgas,
- unzureichende Spontanatmung,
- Undichtigkeiten an Mund oder Lippen,
- Kopfbewegungen und Lageveränderungen,
- Krampfbewegungen,
- Flutung des Systems,
- unkontrollierter Auf- oder Abtrieb.
Der Strap kann Zeit gewinnen. Nur ein handlungsfähiger Buddy kann diese Zeit nutzen.
Der mögliche Sicherheitsgewinn entsteht im Zusammenspiel
Buddy erkennt die Veränderung
Ungewöhnliche Wasserlage, fehlende Reaktion oder veränderte Atmung müssen schnell erkannt werden.
Atemwegsschnittstelle bleibt vorläufig erhalten
Der Strap kann das Mundstück während der ersten Rettungsphase in Position halten.
Atemgas und Auftrieb werden kontrolliert
Je nach Gerät und Ausbildungsstand müssen BOV, Bailout, Gegenlungen, Wing und Trockentauchanzug berücksichtigt werden.
Kontrollierte Rettung wird eingeleitet
Der Retter stabilisiert den Taucher und führt ihn entsprechend dem trainierten Verfahren an die Oberfläche.
Der Aufstieg eines bewusstlosen Tauchers
Ein dicht sitzender Mouthpiece Retaining Strap erzeugt bei einer Rettung eine zusätzliche Besonderheit.
Beim Aufstieg nimmt der Umgebungsdruck ab.
Gas in Lunge und Atemsystem dehnt sich aus.
Ein bewusstloser Taucher kann diesen Druckausgleich möglicherweise nicht kontrolliert selbst durchführen.
Haynes beschreibt militärische Rettungsverfahren, bei denen ausgebildete Retter den Lippenschluss an einem Mundwinkel kontrolliert unterbrechen, damit expandierendes Gas entweichen kann.
Keine allgemeine Selbstlern-Anweisung
Das konkrete Verfahren hängt von Gerät, Atemwegsschnittstelle, Gasversorgung und Ausbildungsstandard ab. Eine Rettungstechnik darf nicht ausschließlich anhand eines Blogartikels erlernt oder auf ein anderes Rebreather-Modell übertragen werden.
Ein neues Sicherheitselement erfordert immer eine darauf abgestimmte Rettungsausbildung.
Warum ein Mouth Strap kein Argument für Solotauchen ist
Der Mouthpiece Retaining Strap kann den unmittelbaren Verlust des Mundstücks möglicherweise verzögern.
Er kann jedoch nicht:
- das ursächliche Atemgasproblem erkennen,
- ein BOV betätigen,
- ein Bailout-Gas öffnen,
- den Taucher stabilisieren,
- Auftrieb kontrollieren,
- eine Rettung an die Oberfläche durchführen,
- nach dem Auftauchen Reanimation und Sauerstoffgabe einleiten.
Haynes weist darauf hin, dass auch ein korrekt sitzender MRS wahrscheinlich keinen langfristigen Atemwegsschutz bietet.
Zeitfenster statt Selbstrettungsgarantie
Der Strap kann eine Chance auf Rettung vergrößern. Ohne unmittelbar verfügbaren Buddy kann dieses zusätzliche Zeitfenster ungenutzt verstreichen.
Kann ein älterer Rebreather einfach nachgerüstet werden?
Ein Mouthpiece Retaining Strap wirkt auf den ersten Blick wie ein einfaches Zubehörteil.
Tatsächlich verändert er die Schnittstelle zwischen Taucher und Atemgerät.
Eine Nachrüstung sollte deshalb nicht improvisiert erfolgen.
Vor einer Nachrüstung prüfen
- Ist das System vom Hersteller für das konkrete Rebreather-Modell freigegeben?
- Ist es mit dem vorhandenen DSV oder BOV kompatibel?
- Ist die Befestigung für die auftretenden Kräfte ausgelegt?
- Bleiben DSV, BOV, ADV und andere Bedienelemente uneingeschränkt erreichbar?
- Funktioniert das System mit der verwendeten Maske und Haube?
- Kann der Taucher das Mundstück kontrolliert einsetzen und entfernen?
- Ist die Lippenmanschette passend und ausreichend dicht?
- Wurden Buddyrettung und Aufstiegsverfahren mit dieser Konfiguration trainiert?
Keine improvisierten Lösungen
Ein beliebiges Gummiband oder selbstgebautes Kopfband kann zu falscher Zugrichtung, unzureichender Haltekraft, blockierter Bedienung oder Problemen beim Entfernen des Mundstücks führen.
Die korrekte Einstellung
Ein Mouthpiece Retaining Strap muss einen Kompromiss erfüllen.
Er darf weder zu locker noch unnötig straff sitzen.
Unzureichende Haltewirkung
Das Mundstück kann bei Bewusstlosigkeit absinken, sich verdrehen oder aus dem Mund fallen.
Fehlposition und Belastung
Übermäßiger Zug kann Kieferbeschwerden, Druckstellen, Undichtigkeiten oder eine ungünstige Mundstückposition verursachen.
Stabil und komfortabel
Das Mundstück bleibt in seiner vorgesehenen Position, ohne die normale Atmung und Bedienung zu beeinträchtigen.
Bei jedem Tauchgang kontrollieren
- Zustand von Band und Nähten,
- Befestigungspunkte am DSV oder BOV,
- korrekte Führung über Haube und Maske,
- Spannung und Symmetrie,
- Zustand der Lippenmanschette,
- freie Bedienbarkeit aller Ventile,
- kontrolliertes Entfernen und Wiedereinsetzen.
Mögliche Fehlanwendungen
Der Strap wird nur locker um den Hals getragen.
Dann hält er das Mundstück bei Bewusstlosigkeit möglicherweise nicht am Gesicht und erfüllt nicht die vorgesehene Funktion.
Der Strap wird maximal festgezogen.
Zu hohe Spannung kann die Mundstückposition verschlechtern, Schmerzen verursachen und die Abdichtung negativ beeinflussen.
Die Lippenmanschette wird entfernt, weil sie ungewohnt ist.
Dadurch kann ein wesentlicher Teil des vorgesehenen Wasserschutzes verloren gehen.
Der Strap wird montiert, aber Rettung nie trainiert.
Der Buddy kennt dann möglicherweise weder das Lösen noch das Stabilisieren oder die Besonderheiten beim Aufstieg.
Ein beliebiges Zubehörteil wird an das BOV montiert.
Nicht freigegebene Befestigungen können Bedienung, Dichtsitz oder Funktionssicherheit verändern.
Konsequenzen für Ausbildung und Training
Die Einführung eines Mouthpiece Retaining Straps darf sich nicht auf die Montage eines zusätzlichen Bauteils beschränken.
Training sollte mindestens behandeln:
- korrekte Einstellung und tägliche Kontrolle,
- Einsetzen und Entfernen mit Maske und Haube,
- Bedienung von DSV und BOV unter Zug des Straps,
- Erkennen eines bewusstlosen Rebreathertauchers,
- Sicherung von Mundstück und Kopfposition,
- gerätebezogene Kontrolle des Atemgases,
- Auftriebsmanagement während der Rettung,
- kontrollierter Aufstieg,
- Entfernen oder Öffnen des Systems an der Oberfläche,
- Übergang zu Beatmung, Sauerstoffgabe und Notfallmanagement.
Ausrüstung ist nur dann eine wirksame Sicherheitsbarriere, wenn ihre Funktion und ihre Folgen im Rettungsablauf verstanden werden.
Was ist wissenschaftlich gesichert?
Gut begründet
- Rebreather können bei ungeeignetem Atemgas eine Bewusstlosigkeit verursachen.
- Nach Bewusstseinsverlust kann die aktive Haltekraft des normalen Mundstücks ausfallen.
- Der Verlust des Mundstücks begünstigt Wasseraspiration, Loopflutung und Ertrinken.
- Ein mechanisches Haltesystem kann das Mundstück länger am Gesicht halten.
- Die EN 14143 berücksichtigt Wassereintritt bei Bewusstlosigkeit oder Krampfanfall ausdrücklich.
- Ein Mouthpiece Retaining Strap ersetzt keine schnelle Rettung.
Was ist plausibel, aber nicht exakt quantifiziert?
Beobachtend gestützt
- Ein korrekt eingestellter MRS kann die Wasseraspiration nach Bewusstlosigkeit begrenzen oder verzögern.
- Dadurch kann das Zeitfenster für eine erfolgreiche Buddyrettung größer werden.
- Militärische Fallserien sind mit einem erheblichen praktischen Nutzen vereinbar.
- Lippenmanschette und Strap wirken wahrscheinlich gemeinsam besser als das Halteband allein.
Was ist nicht bewiesen?
Grenzen der Evidenz
- Es existiert keine kontrollierte prospektive Humanstudie zur Wirksamkeit des MRS.
- Es ist keine universelle Schutzdauer bekannt.
- Ein MRS garantiert keine wirksame Spontanatmung.
- Die französischen Militärdaten beweisen nicht, wie viele Leben allein durch den Strap gerettet wurden.
- Ergebnisse militärischer Systeme lassen sich nicht vollständig auf jede Sportrebreather-Konfiguration übertragen.
- Nicht jedes Halteband und jede Lippenmanschette besitzt dieselbe Wirksamkeit.
Häufige Irrtümer
„Der Mouth Strap verhindert Rebreather-Unfälle.“
Falsch. Er verhindert weder ungeeignetes Atemgas noch technische oder menschliche Fehler. Er soll eine Folge der Bewusstlosigkeit begrenzen.
„Mit Strap kann ein bewusstloser Taucher sicher weiteratmen.“
Nicht garantiert. Atemgas, Spontanatmung, Dichtsitz und Körperlage können weiterhin problematisch sein.
„Ein BOV macht den Mouth Strap überflüssig.“
Falsch. Ein BOV stellt alternatives Atemgas bereit, kann aber nach Bewusstlosigkeit ebenfalls aus dem Mund fallen.
„Ein loses Neck Strap erfüllt dieselbe Funktion.“
Falsch. Es hält das Mundstück möglicherweise in Reichweite, aber nicht zwingend dicht und stabil am Gesicht.
„Die EN 14143 schreibt ausschließlich ein bestimmtes Kopfband vor.“
Zu pauschal. Die Norm beschreibt eine funktionale Anforderung an Atemwegsschnittstelle und Haltesystem. Andere normkonforme Lösungen können möglich sein.
„Mit einem MRS ist Solotauchen sicherer genug.“
Falsch. Der Strap kann keine aktive Rettung durchführen und bietet wahrscheinlich nur ein begrenztes Zeitfenster.
„Je fester der Strap sitzt, desto besser schützt er.“
Falsch. Übermäßige Spannung kann Komfort, Position, Abdichtung und Bedienbarkeit verschlechtern.
Häufig gestellte Fragen
Was ist ein Mouthpiece Retaining Strap?
Ein am Rebreather-Mundstück befestigtes Haltesystem, das über den Kopf geführt wird und DSV oder BOV auch ohne aktiven Biss am Gesicht halten soll.
Warum kann ein Mundstück bei Bewusstlosigkeit herausfallen?
Weil Kiefer- und Lippenmuskulatur ihren aktiven Tonus verlieren können. Ein normales Mundstück wird wesentlich durch Zähne, Kiefer und Lippen gehalten.
Verhindert der Strap das Ertrinken vollständig?
Nein. Er kann den Verlust des Mundstücks und den Wassereintritt möglicherweise begrenzen oder verzögern. Einen vollständigen und zeitlich unbegrenzten Schutz garantiert er nicht.
Kann ein bewusstloser Taucher mit Strap weiteratmen?
Das ist unter bestimmten Bedingungen möglich, aber nicht garantiert. Entscheidend sind Spontanatmung, Atemgasqualität, Dichtsitz, Atemwegsposition und Zustand des Rebreathers.
Ist der Mouthpiece Retaining Strap bei jedem Rebreather Pflicht?
Die EN 14143 stellt Anforderungen an den Schutz vor Wassereintritt und das sichere Halten der Atemwegsschnittstelle. Sie schreibt jedoch nicht ausschließlich ein bestimmtes Strap-Modell als einzige technische Lösung vor. Entscheidend ist die zertifizierte Konfiguration des konkreten Geräts.
Warum werden neue Geräte zunehmend mit einem Strap ausgeliefert?
Hersteller setzen die funktionalen Anforderungen an Atemwegsschutz bei neuen oder aktualisierten Gerätekonfigurationen zunehmend durch entsprechende Mundstück-Haltesysteme um.
Ist ein BOV eine Alternative zum Strap?
Nein. Das BOV ermöglicht den Wechsel auf offenes Bailout-Gas. Der Strap hält die Atemwegsschnittstelle am Gesicht. Beide Komponenten erfüllen unterschiedliche Aufgaben.
Kann ich meinen Rebreather selbst nachrüsten?
Es sollte ausschließlich ein für das konkrete Gerät und dessen DSV oder BOV freigegebenes System verwendet werden. Improvisierte Umbauten können Bedienung, Dichtsitz und Sicherheit verändern.
Welche Rolle spielt die Lippenmanschette?
Sie unterstützt den Lippenschluss, verteilt den Anpressdruck und kann den Wassereintritt begrenzen. Sie ist daher nicht nur ein Komfortteil.
Ersetzt der Strap eine Vollgesichtsmaske?
Nein. Eine Vollgesichtsmaske bietet eine andere und potentiell höhere Stufe des Atemwegsschutzes, ist jedoch komplexer und erfordert eine eigene Konfiguration und Ausbildung.
Warum bleibt Buddykontakt so wichtig?
Weil der Strap die Ursache des Zwischenfalls nicht behebt und der bewusstlose Taucher weiterhin stabilisiert, mit geeignetem Gas versorgt und an die Oberfläche gebracht werden muss.
Wie muss ein Strap eingestellt werden?
Er muss das Mundstück stabil und komfortabel halten, ohne die Bedienung des DSV oder BOV zu behindern. Die korrekte Einstellung ist hersteller- und gerätespezifisch.
Wissenschaftlich eingeordnet
Die Arbeit von Paul Haynes ist ein wissenschaftlicher Review und keine kontrollierte Wirksamkeitsstudie.
Sie verbindet:
- Rebreather-Unfallanalysen,
- physiologische Überlegungen,
- militärische Beobachtungsdaten,
- Erfahrungsberichte,
- Normanforderungen,
- logische Risikobewertung.
Die Evidenz ist damit nicht ausreichend, um eine exakte prozentuale Risikoreduktion zu berechnen.
Sie ist jedoch konsistent mit dem grundlegenden Mechanismus:
Bleibt das Mundstück nach Bewusstlosigkeit länger in Position, kann die unmittelbare Wasseraspiration verzögert werden. Dadurch erhält ein Buddy möglicherweise mehr Zeit für eine erfolgreiche Rettung.
Fazit
Der Mouthpiece Retaining Strap ist kein Schutz vor Hypoxie, Hyperkapnie, Hyperoxie oder technischen Fehlern.
Er ist eine zusätzliche Sicherheitsbarriere für einen Zeitpunkt, an dem bereits mehrere andere Barrieren versagt haben.
Sein Ziel ist es, das Mundstück nach einer Bewusstlosigkeit am Gesicht zu halten, den Wassereintritt zu begrenzen und den unmittelbaren Übergang zum Ertrinken zu verzögern.
Militärische Beobachtungsdaten und die physiologische Logik sprechen für einen möglichen erheblichen Nutzen.
Gleichzeitig fehlen kontrollierte Humanstudien und eine exakt bekannte Schutzdauer.
Der tatsächliche Nutzen hängt deshalb ab von:
- der Konstruktion des Systems,
- der passenden Lippenmanschette,
- der korrekten Einstellung,
- der Kompatibilität mit DSV oder BOV,
- einem funktionierenden Rebreather,
- einem aufmerksamen Buddy,
- regelmäßig trainierten Rettungsabläufen.
Der Strap verhindert nicht die Bewusstlosigkeit. Er kann verhindern, dass aus einer möglicherweise noch rettbaren Bewusstlosigkeit unmittelbar ein Ertrinkungsunfall wird.
Kernaussage der Forschung
Ein korrekt entwickelter und eingestellter Mouthpiece Retaining Strap kann das Mundstück eines bewusstlosen Rebreathertauchers länger in Position halten und dadurch Wasseraspiration sowie Loopflutung begrenzen oder verzögern. Die vorhandene Evidenz ist überwiegend beobachtend und erlaubt keine genaue Quantifizierung der Risikoreduktion. Der mögliche Sicherheitsgewinn ist dennoch physiologisch plausibel und wird durch militärische Erfahrungen gestützt. Wirksam wird diese zusätzliche Schutzebene vor allem in Verbindung mit einem geeigneten Mundstückdesign, einer Lippenmanschette, korrekter Einstellung und einer sofortigen Buddyrettung.
Quellen
Haynes P.
Increasing the probability of surviving loss of consciousness underwater when using a rebreather.
Diving and Hyperbaric Medicine. 2016;46(4):253–259.
Vollständigen Artikel als PDF öffnen
Gempp E, Louge P, Blatteau JE, Hugon M.
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DIN EN 14143:2013-10.
Atemgeräte – Autonome Regenerationstauchgeräte; Deutsche Fassung EN 14143:2013.
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