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Warum CO₂-Scrubber versagen: Die häufigsten Ursachen wissenschaftlich erklärt

31.07.2026 Jonas Martins 15 Min. Lesezeit
Warum CO₂-Scrubber versagen: Die häufigsten Ursachen wissenschaftlich erklärt

Ein CO₂-Scrubber versagt nicht ausschließlich dann, wenn der Atemkalk vollständig verbraucht ist. Auch Packfehler, bevorzugte Strömungswege, Montageprobleme, Feuchtigkeitsverlust und eine hohe CO₂-Belastung können zu einem vorzeitigen Durchbruch führen. In diesem Artikel erfährst du, warum die tatsächliche Scrubberleistung vom Zusammenspiel aus Chemie, Strömung, Vorbereitung und Einsatzbedingungen abhängt.

Kurz erklärt

Ein Scrubber kann noch ungenutzten Atemkalk enthalten und trotzdem Kohlendioxid durchlassen. Entscheidend ist nicht nur die vorhandene Materialmenge, sondern auch, ob das Atemgas gleichmäßig durch das Atemkalkbett strömt und vollständig durch den Scrubber geführt wird.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Ein CO₂-Scrubber versagt nicht nur, wenn der Atemkalk vollständig verbraucht ist.
  • Packfehler, Channeling, Bypass, falsche Montage und ungünstige Einsatzbedingungen können einen vorzeitigen CO₂-Durchbruch verursachen.
  • Beim Channeling strömt das Atemgas bevorzugt durch einzelne Bereiche des Atemkalkbetts.
  • Dadurch können Teile des Atemkalks frühzeitig erschöpft werden, während andere Bereiche kaum genutzt bleiben.
  • Hohe körperliche Belastung erhöht gleichzeitig die CO₂-Produktion und den Gasdurchsatz durch den Scrubber.
  • Ein unauffälliger Pre-Breathe kann einen teilweise fehlerhaften Scrubber nicht zuverlässig ausschließen.

Ein Scrubber versagt nicht immer erst am Ende seiner Laufzeit

Viele CCR-Taucher denken beim Thema Scrubberversagen zunächst an vollständig verbrauchten Atemkalk.

Das ist nachvollziehbar. Jeder Atemkalk besitzt eine begrenzte CO₂-Aufnahmekapazität.

Ist diese Kapazität erschöpft, kann Kohlendioxid den Scrubber passieren und erneut eingeatmet werden.

Doch das ist nur eine mögliche Ursache.

Ein Scrubber kann bereits problematisch werden, obwohl theoretisch noch ausreichend reaktionsfähiger Atemkalk vorhanden wäre.

Der Grund liegt nicht nur in der chemischen Kapazität.

Ebenso entscheidend sind:

  • die Strömung des Atemgases,
  • die Packqualität des Atemkalks,
  • die Montage des Scrubbers,
  • der Zustand der Dichtungen,
  • die Feuchtigkeit des Atemkalks,
  • der Gasdurchsatz und die CO₂-Produktion des Tauchers.

Die entscheidende Frage lautet nicht nur: „Wie lange hält mein Atemkalk?“ Sondern: „Welche Bedingungen können dazu führen, dass mein Scrubber früher versagt als erwartet?“

Was bedeutet CO₂-Durchbruch?

Der Scrubber soll das vom Taucher produzierte Kohlendioxid aus dem Atemkreislauf entfernen.

Dafür wird das ausgeatmete Gas durch ein mit Atemkalk gefülltes Bett geleitet.

Das Kohlendioxid reagiert dort chemisch mit dem absorbierenden Material und wird aus dem Atemgas entfernt.

Solange diese Reaktion ausreichend funktioniert, bleibt die inspirierte CO₂-Konzentration niedrig.

1

CO₂ entsteht

Der Stoffwechsel des Tauchers produziert kontinuierlich Kohlendioxid.

2

Gas gelangt in den Scrubber

Das ausgeatmete Atemgas wird durch das Atemkalkbett geführt.

3

Chemische Bindung

Das CO₂ reagiert mit dem Atemkalk und wird aus dem Kreislauf entfernt.

4

Kapazität oder Funktion sinkt

Atemkalk kann verbraucht sein oder durch ungünstige Strömung nicht vollständig genutzt werden.

5

CO₂-Durchbruch

Kohlendioxid passiert den Scrubber und gelangt wieder in das eingeatmete Gas.

Gefahr für den Taucher

Eingeatmetes Kohlendioxid kann zu Hyperkapnie führen. Dadurch können Atemnot, Kopfschmerzen, Panik, eingeschränkte Entscheidungsfähigkeit, Bewusstlosigkeit und eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Sauerstofftoxizität entstehen.

Ursache 1: Verbrauchter Atemkalk

Die offensichtlichste Ursache eines CO₂-Durchbruchs ist ein vollständig oder nahezu vollständig verbrauchter Scrubber.

Atemkalk besitzt nur eine begrenzte chemische Aufnahmekapazität.

Wie schnell diese Kapazität verbraucht wird, hängt jedoch nicht allein von der vergangenen Zeit ab.

CO₂-Produktion

Je mehr Kohlendioxid der Taucher produziert, desto schneller wird die verfügbare Kapazität beansprucht.

Atemminutenvolumen

Ein höherer Gasdurchsatz verändert die Belastung und die Kontaktzeit im Atemkalkbett.

Körperliche Belastung

Schwimmen, Strömung, Stress und Arbeit erhöhen den Stoffwechsel und damit die CO₂-Produktion.

Temperatur

Die chemische Reaktion im Atemkalk ist temperaturabhängig.

Atemkalktyp

Verschiedene Produkte können unterschiedliche Kapazitäten und Strömungseigenschaften besitzen.

Scrubberdesign

Bauform, Größe und Gasführung bestimmen, wie effizient das Atemkalkbett genutzt wird.

Die nominelle Scrubberlaufzeit ist eine Planungsgrenze unter definierten Bedingungen – keine Garantie für jeden realen Tauchgang.

Ursache 2: Channeling

Eine besonders wichtige Ursache für einen vorzeitigen CO₂-Durchbruch ist das sogenannte Channeling.

Dabei strömt das Atemgas nicht gleichmäßig durch das gesamte Atemkalkbett.

Stattdessen entstehen bevorzugte Strömungswege mit geringerem Widerstand.

Das Gas folgt diesen Wegen und umgeht dadurch einen Teil des verfügbaren Atemkalks.

1

Ungleichmäßige Packung

Hohlräume oder unterschiedlich verdichtete Bereiche entstehen im Atemkalkbett.

2

Weg des geringsten Widerstands

Das Atemgas strömt bevorzugt durch lockerere oder offenere Bereiche.

3

Ungleichmäßige Belastung

Einzelne Bereiche werden stark beansprucht, andere kaum genutzt.

4

Lokale Erschöpfung

Der stark durchströmte Kanal verliert seine CO₂-Aufnahmekapazität frühzeitig.

5

Vorzeitiger Durchbruch

CO₂ kann den Scrubber passieren, obwohl an anderer Stelle noch ungenutzter Atemkalk vorhanden ist.

Wissenschaftlich eingeordnet

Die Arbeit von Cunningham zeigt, dass die Funktion eines CCR-Scrubbers von der komplexen Wechselwirkung zwischen Strömung, Packungsstruktur und chemischer Reaktion abhängt. Die vorhandene Materialmenge allein beschreibt deshalb nicht die tatsächlich nutzbare Leistung.

Warum ist Channeling besonders gefährlich?

Von außen kann der Scrubber vollständig und korrekt gefüllt erscheinen.

Im Inneren können trotzdem Bereiche mit unterschiedlicher Dichte oder kleine Hohlräume vorhanden sein.

Dadurch entsteht ein scheinbarer Widerspruch:

Der Scrubber enthält noch unverbrauchten Atemkalk – lässt aber trotzdem bereits Kohlendioxid durch.

Genau deshalb lässt sich die Restkapazität nicht zuverlässig am Aussehen des Atemkalks oder an der verbleibenden Materialmenge erkennen.

Ursache 3: Fehler beim Packen

Channeling entsteht häufig durch Fehler beim Befüllen oder Setzen des Atemkalks.

Das Packen des Scrubbers ist deshalb keine beiläufige Routineaufgabe, sondern ein sicherheitskritischer Vorbereitungsschritt.

Ungleichmäßiges Einfüllen

Wird der Atemkalk nur an einer Stelle eingefüllt, kann er sich ungleichmäßig im Behälter verteilen.

Hohlräume

Freie Bereiche im Kalkbett können bevorzugte Strömungswege bilden.

Zu lockere Packung

Ein unzureichend gesetztes Kalkbett kann sich während Transport oder Tauchgang verändern.

Ungleichmäßige Verdichtung

Unterschiedlich dichte Bereiche führen zu unterschiedlichen Strömungswiderständen.

Falsche Füllmenge

Zu wenig oder nicht korrekt abgemessener Atemkalk kann die vorgesehene Leistung verändern.

Ungeeigneter Atemkalk

Eine nicht freigegebene Körnung kann Packverhalten und Gasströmung beeinflussen.

Wichtig

Ein frisch gefüllter Scrubber ist nicht automatisch ein sicherer Scrubber. Eine fehlerhafte Packung kann seine tatsächliche Leistung bereits vor dem ersten Tauchgang deutlich reduzieren.

Wie sollte ein Scrubber korrekt gepackt werden?

Die konkrete Packtechnik richtet sich immer nach den Vorgaben des jeweiligen Herstellers.

Allgemeine Routinen dürfen keine gerätespezifische Anleitung ersetzen.

1

Freigegebenen Atemkalk verwenden

Produkt, Körnung und Zustand müssen der Herstellerfreigabe entsprechen.

2

Gleichmäßig einfüllen

Das Material wird entsprechend der Gerätevorgabe kontrolliert im Behälter verteilt.

3

Material setzen

Vorgeschriebene Klopf-, Dreh- oder Verdichtungsschritte werden exakt durchgeführt.

4

Füllstand kontrollieren

Die erforderliche Materialmenge und der korrekte Abschluss werden überprüft.

5

Montage prüfen

Deckel, Dichtungen, Siebe und Halterungen müssen korrekt sitzen.

6

Checkliste dokumentieren

Packdatum, Atemkalktyp und Nutzungshistorie werden nachvollziehbar festgehalten.

Ursache 4: Bypass und Montagefehler

Nicht jedes Scrubberproblem entsteht innerhalb des Atemkalkbetts.

Bei einem Bypass wird ein Teil des Atemgases am Atemkalk vorbeigeführt.

Das kann dazu führen, dass CO₂-haltiges Gas wieder eingeatmet wird, obwohl frischer Atemkalk vorhanden ist.

Falsch sitzende O-Ringe

Eine verdrehte, beschädigte oder falsch eingesetzte Dichtung kann einen unerwünschten Gasweg öffnen.

Beschädigte Dichtflächen

Verschmutzungen oder Defekte können verhindern, dass Komponenten korrekt abdichten.

Falsch eingesetzter Canister

Ein nicht vollständig positionierter Scrubber kann die vorgesehene Gasführung verändern.

Fehlerhaft geschlossener Behälter

Nicht korrekt verriegelte oder montierte Gehäuseteile können einen Bypass ermöglichen.

Fehlende Komponenten

Siebe, Abstandshalter oder Dichtelemente müssen vollständig und korrekt eingebaut sein.

Mechanische Beschädigung

Risse oder Verformungen können die vorgesehene Gasströmung beeinträchtigen.

Bei einem Bypass ist nicht der Atemkalk das Problem. Das Problem ist, dass ein Teil des Atemgases ihn überhaupt nicht erreicht.

Warum sind teilweise Fehler besonders schwer zu erkennen?

Ein vollständig fehlender Scrubber kann bereits an der Oberfläche deutliche CO₂-Symptome hervorrufen.

Ein kleiner Bypass oder eine teilweise eingeschränkte CO₂-Elimination kann dagegen zunächst unauffällig bleiben.

In der Pre-Breathe-Studie wurde ein teilweise fehlerhafter Scrubber während eines fünfminütigen Tests nur von 2 von 20 Teilnehmenden erkannt.

Grenze des Pre-Breathe

Ein unauffälliger Pre-Breathe beweist nicht, dass der gesamte Gasstrom vollständig und gleichmäßig durch den Scrubber geführt wird.

Ursache 5: Feuchtigkeit und Austrocknung

Atemkalk benötigt Feuchtigkeit, damit die chemische Bindung von CO₂ effizient ablaufen kann.

Zu trockener Atemkalk kann deshalb an Leistungsfähigkeit verlieren.

In einer Studie zur Lagerung teilweise verwendeter Scrubber zeigte eine offene Lagerung über Nacht keinen messbaren Nachteil.

Nach 28 Tagen war die CO₂-Aufnahmekapazität offen gelagerter Scrubber jedoch deutlich geringer als die vakuumversiegelter Systeme.

Kurzfristig

Offen über Nacht

Unter den untersuchten Bedingungen zeigte sich kein messbarer Verlust der späteren Scrubberleistung.

Langfristig

Offen über 28 Tage

Die spätere CO₂-Aufnahmekapazität war deutlich reduziert.

Geschützt

Vakuumversiegelt

Die Leistungsfähigkeit blieb bei längerer Lagerung deutlich besser erhalten.

Möglicher Mechanismus

Die Autoren vermuteten einen Feuchtigkeitsverlust als plausible Erklärung. Die Untersuchung beweist jedoch nicht abschließend, dass ausschließlich Austrocknung für den Leistungsverlust verantwortlich war.

Kann zu viel Feuchtigkeit ebenfalls problematisch sein?

Feuchtigkeit ist für die chemische Reaktion erforderlich. Das bedeutet jedoch nicht, dass zusätzliches Wasser grundsätzlich vorteilhaft ist.

Eindringendes Wasser kann die Gasströmung verändern, Atemkalk beschädigen oder die Funktion des Scrubbers beeinträchtigen.

Kein Kontakt mit Wasser

Ein gefluteter oder unklar kontaminierter Scrubber darf nicht allein anhand seines äußeren Zustands weiterverwendet werden. Maßgeblich sind die Herstellervorgaben für Wasseraufnahme, Kontamination und Austausch.

Ursache 6: Hoher Gasdurchsatz

Die chemische Bindung von CO₂ benötigt eine ausreichende Kontaktzeit zwischen Atemgas und Atemkalk.

Bei hoher körperlicher Belastung steigen gleichzeitig:

  • die CO₂-Produktion,
  • das Atemminutenvolumen,
  • der Gasdurchsatz durch den Scrubber,
  • die Atemarbeit,
  • der gesamte physiologische Stress.
1

Arbeitsbelastung steigt

Der Taucher produziert mehr Kohlendioxid.

2

Ventilation steigt

Mehr Atemgas wird pro Minute durch den Scrubber bewegt.

3

Scrubberbelastung steigt

Das Atemkalkbett muss mehr CO₂ in kürzerer Zeit verarbeiten.

4

Kontaktzeit verändert sich

Ein hoher Gasstrom kann die wirksame Reaktion innerhalb des Kalkbetts beeinflussen.

5

Risiko steigt

Die vorhandene Sicherheitsreserve kann schneller aufgebraucht werden.

Körperliche Belastung erhöht nicht nur den CO₂-Anfall. Sie erschwert gleichzeitig die Kompensation einer beginnenden Hyperkapnie.

Welche Rolle spielen Gasdichte und Atemarbeit?

Mit zunehmender Tiefe steigt die Dichte des Atemgases.

Dichte Gase lassen sich schwerer durch Atemwege, Atemschläuche, Ventile und Scrubber bewegen.

Dadurch steigt die Atemarbeit.

Höherer Atemwiderstand

Der Taucher muss mehr Arbeit leisten, um dasselbe Atemvolumen zu bewegen.

Unzureichende Ventilation

Trotz subjektiv starker Atmung kann das tatsächliche Atemminutenvolumen unzureichend bleiben.

CO₂-Retention

Der Körper kann produziertes Kohlendioxid möglicherweise nicht mehr ausreichend abatmen.

Zusätzliche Scrubberbelastung

Gleichzeitig muss der Scrubber eine erhöhte CO₂-Menge verarbeiten.

Doppelte Belastung

Unter hoher Arbeitsbelastung kann sowohl die körpereigene CO₂-Retention als auch die technische Belastung des Scrubbers zunehmen. Beide Mechanismen können sich gegenseitig verstärken.

Ursache 7: Nicht freigegebener Atemkalk

Unterschiedliche Atemkalkprodukte besitzen unterschiedliche physikalische und chemische Eigenschaften.

Dazu gehören:

  • Körnung,
  • Form der Partikel,
  • Feuchtigkeitsgehalt,
  • Strömungswiderstand,
  • CO₂-Aufnahmekapazität,
  • Verhalten beim Packen.

Harvey und Kollegen zeigten unter identischen Laborbedingungen deutliche Unterschiede zwischen Sofnolime 797 und Spherasorb.

Das bedeutet nicht, dass eines der Produkte grundsätzlich ungeeignet ist.

Es zeigt jedoch, dass verschiedene Atemkalktypen nicht ohne Weiteres austauschbar sind.

Systemfreigabe

Die Scrubberleistung gehört immer zum getesteten Gesamtsystem aus Rebreather, Scrubberdesign, Atemkalk und definierten Einsatzbedingungen.

Ursache 8: Unklare Einsatz- und Lagerungshistorie

Auch ein technisch korrekt gepackter Scrubber kann unsicher werden, wenn seine bisherige Verwendung nicht mehr nachvollziehbar ist.

Unbekannte Einsatzzeit

Ohne Dokumentation lässt sich die bereits verbrauchte Kapazität nicht seriös einschätzen.

Unklare Lagerung

Offen, feucht, warm oder über lange Zeit gelagerter Atemkalk kann anders reagieren als erwartet.

Unbekannter Atemkalktyp

Fehlende Produktinformationen verhindern eine sichere Zuordnung zur Herstellerfreigabe.

Unbekannte Montage

Wurde der Scrubber von einer anderen Person vorbereitet, muss die Verantwortung eindeutig geregelt sein.

Wenn Packung, Atemkalk, Standzeit oder Lagerung nicht eindeutig nachvollziehbar sind, darf keine verlässliche Restkapazität angenommen werden.

Warum erkennt ein Pre-Breathe nicht jeden Scrubberfehler?

Ein Pre-Breathe findet an der Oberfläche, bei geringer Gasdichte und meist geringer körperlicher Belastung statt.

Eine leichte zusätzliche CO₂-Belastung kann der Körper dort möglicherweise noch durch eine etwas stärkere Atmung kompensieren.

Dadurch entstehen nicht zwingend eindeutige Symptome.

Erkennbar

Vollständiger Ausfall

Ein vollständig fehlender Scrubber kann rasch deutliche CO₂-Symptome verursachen.

Schwer erkennbar

Teilweiser Fehler

Ein kleiner Bypass oder eine begrenzte Fehlfunktion kann während eines kurzen Oberflächentests unbemerkt bleiben.

Ein erfolgreicher Pre-Breathe zeigt, dass während des Tests kein eindeutig wahrnehmbares Problem auftrat. Er beweist nicht, dass der Scrubber unter Wasser vollständig funktioniert.

Wie lässt sich das Risiko reduzieren?

Scrubbersicherheit entsteht nicht durch eine einzelne Maßnahme.

Entscheidend ist das Zusammenspiel mehrerer kontrollierter Schritte.

  • nur freigegebenen Atemkalk verwenden,
  • Herstelleranleitung exakt einhalten,
  • Atemkalk gleichmäßig und korrekt packen,
  • O-Ringe und Dichtflächen prüfen,
  • Scrubbercanister korrekt einsetzen,
  • positive und negative Drucktests durchführen,
  • Standzeit und Lagerung dokumentieren,
  • konservative Laufzeiten planen,
  • Pre-Breathe als Systemcheck durchführen,
  • bei unklarer Historie neu packen.

Kein einzelner Sicherheitsnachweis

Frischer Atemkalk, ein erfolgreicher Pre-Breathe oder eine theoretisch ausreichende Restlaufzeit können jeweils nur einen Teil des Gesamtsystems bewerten.

Was bedeutet das für CCR-Taucher?

Die wichtigste Erkenntnis lautet:

Der sicherste Scrubber ist nicht automatisch der mit der längsten theoretischen Laufzeit, sondern der, dessen Aufbau, Vorbereitung und Grenzen der Taucher zuverlässig versteht.

Für die Praxis bedeutet das:

Sorgfältig packen

Gleichmäßige Befüllung und korrektes Setzen reduzieren das Risiko bevorzugter Strömungswege.

Sauber montieren

Dichtungen, Gehäuse und Gasführung müssen vollständig kontrolliert werden.

Konservativ planen

Herstellerlaufzeiten sollten nicht als Zielwert vollständig ausgeschöpft werden.

Belastung berücksichtigen

Tiefe, Arbeitsaufwand, Temperatur und Gasdichte beeinflussen das CO₂-Risiko.

Checklisten nutzen

Eine strukturierte Vorbereitung reduziert ausgelassene oder falsch ausgeführte Arbeitsschritte.

Grenzen erkennen

Ein Pre-Breathe und subjektives Atemgefühl können technische Fehler nicht zuverlässig ausschließen.

Häufige Irrtümer über CO₂-Scrubber

„Ein neuer Scrubber kann nicht versagen.“

Falsch. Auch frischer Atemkalk kann durch Packfehler, Bypass oder falsche Montage vorzeitig CO₂ durchlassen.

„Wenn noch unverbrauchter Atemkalk vorhanden ist, bin ich sicher.“

Falsch. Durch Channeling können einzelne Bereiche erschöpft werden, während andere Bereiche kaum genutzt bleiben.

„Der Pre-Breathe erkennt jeden Scrubberfehler.“

Falsch. Ein teilweise fehlerhafter Scrubber blieb in der Untersuchung bei der großen Mehrheit der Teilnehmer unbemerkt.

„Die Herstellerlaufzeit ist eine Garantie.“

Falsch. Herstellerangaben gelten unter definierten Prüfbedingungen. Reale Belastung, Temperatur und Montage können die tatsächliche Leistung beeinflussen.

„Mehr Atemkalk verhindert automatisch einen CO₂-Durchbruch.“

Falsch. Auch ein großer Scrubber kann durch schlechte Gasführung, Packfehler oder Bypass versagen.

„Wenn sich das Gerät normal atmet, ist die CO₂-Elimination sicher.“

Falsch. Atemwiderstand und CO₂-Elimination sind nicht dasselbe. Ein normaler Atemwiderstand schließt eine teilweise eingeschränkte Scrubberfunktion nicht aus.

Häufig gestellte Fragen

Was ist Channeling?

Channeling beschreibt bevorzugte Strömungswege innerhalb des Atemkalkbetts. Das Gas nutzt dabei einzelne Bereiche besonders stark, während andere Bereiche schlechter durchströmt werden.

Kann falsches Packen einen CO₂-Durchbruch verursachen?

Ja. Ungleichmäßige Befüllung, Hohlräume oder unzureichendes Setzen können die Gasströmung verändern und Channeling begünstigen.

Kann ein frisch gefüllter Scrubber trotzdem gefährlich sein?

Ja. Frischer Atemkalk schützt nicht vor Montagefehlern, Bypass, ungeeigneter Packung oder einer falschen Gasführung.

Was ist ein Bypass?

Bei einem Bypass strömt ein Teil des Atemgases am Atemkalkbett vorbei. Dadurch kann CO₂-haltiges Gas wieder eingeatmet werden, obwohl der Atemkalk selbst noch frisch ist.

Welche Ursache ist am häufigsten?

Es gibt keine einzelne Ursache, die jeden Durchbruch erklärt. Häufig wirken mehrere Faktoren zusammen, beispielsweise hohe Belastung, ungünstige Strömung, Packfehler und reduzierte Scrubberkapazität.

Kann Austrocknung die Scrubberleistung reduzieren?

Ja, das ist eine plausible Erklärung. Eine Studie zeigte nach längerer offener Lagerung eine verringerte Leistung. Der genaue Mechanismus wurde jedoch nicht abschließend bewiesen.

Warum ist körperliche Belastung problematisch?

Körperliche Arbeit erhöht die CO₂-Produktion und das Atemminutenvolumen. Der Scrubber muss dadurch mehr Kohlendioxid bei höherem Gasdurchsatz verarbeiten.

Kann ein Pre-Breathe Channeling erkennen?

Nicht zuverlässig. Ein kleiner oder teilweise wirksamer Fehler kann an der Oberfläche kompensiert werden und während eines kurzen Tests unbemerkt bleiben.

Wie kann ich das Risiko eines Scrubberversagens reduzieren?

Verwende freigegebenen Atemkalk, packe exakt nach Herstelleranleitung, kontrolliere Dichtungen und Montage, dokumentiere die Standzeit und plane mit konservativen Sicherheitsreserven.

Kann das Risiko vollständig ausgeschlossen werden?

Nein. Es kann jedoch durch sorgfältige Vorbereitung, Wartung, korrekte Packtechnik, konservative Planung und ein gutes Verständnis des Systems deutlich reduziert werden.

Wissenschaftlich eingeordnet

Stand der Forschung

Ein CO₂-Durchbruch wurde lange hauptsächlich als Folge vollständig verbrauchten Atemkalks betrachtet. Die verfügbare Forschung zeigt jedoch, dass die tatsächliche Scrubberleistung von mehreren technischen, chemischen und physiologischen Faktoren abhängt.

Cunningham beschreibt die komplexe Wechselwirkung zwischen Gasströmung, Packungsstruktur und CO₂-Absorption. Ungleichmäßige Strömung kann dazu führen, dass Teile des Atemkalkbetts kaum genutzt werden, während andere Bereiche frühzeitig erschöpft sind.

Harvey und Kollegen zeigten, dass verschiedene Atemkalkprodukte selbst unter identischen Laborbedingungen unterschiedliche Zeiten bis zum CO₂-Durchbruch und unterschiedliche Atemwiderstände aufweisen können.

Pollock und Kollegen wiesen nach, dass auch die Lagerung eines bereits verwendeten Scrubbers dessen spätere Leistung beeinflussen kann.

Die Pre-Breathe-Untersuchung zeigte zusätzlich, dass ein teilweise fehlerhafter Scrubber während eines fünfminütigen Oberflächentests häufig nicht erkannt wird.

Fazit

CO₂-Scrubber versagen nicht nur, weil der Atemkalk irgendwann vollständig verbraucht ist.

Sie können vorzeitig CO₂ durchlassen, wenn das Gas ungleichmäßig durch das Atemkalkbett strömt, wenn Hohlräume vorhanden sind oder wenn ein Teil des Atemgases den Scrubber umgeht.

Auch Lagerung, Feuchtigkeit, Atemkalktyp, körperliche Belastung und Gasdurchsatz beeinflussen die tatsächliche Leistungsfähigkeit.

Für CCR-Taucher bedeutet das:

Scrubbersicherheit entsteht nicht durch eine einzelne Kontrolle. Sie entsteht durch korrektes Packen, saubere Montage, vollständige Checklisten, dokumentierte Nutzung und eine konservative Tauchgangsplanung.

Ein erfolgreicher Pre-Breathe, frischer Atemkalk und eine theoretisch ausreichende Laufzeit sind wichtige Bestandteile der Vorbereitung.

Keiner dieser Faktoren beweist jedoch für sich allein, dass der Scrubber unter Wasser zuverlässig funktionieren wird.

Kernaussage der Forschung

Ein CO₂-Scrubber versagt selten aus nur einem einzigen Grund. Seine Leistungsfähigkeit wird durch das Zusammenspiel von Atemkalk, Gasströmung, Packqualität, Montage, Lagerung und Einsatzbedingungen bestimmt. Sicherheit entsteht deshalb nicht durch eine feste Laufzeit, sondern durch das Verständnis und die Kontrolle dieser Zusammenhänge.

Quellen

Weiterführende Artikel